Nach Koranverbrennung: Debatte um Umgang mit Bibeln

KNA 27.02.2012
Spiel mit dem Feuer
Nach Koranverbrennung: Debatte um Umgang mit Bibeln
Von Christoph Arens (KNA)
Bonn (KNA) Von Heinrich Heine haben die beteiligten US-Soldaten vermutlich noch nichts gehört: „Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“, warnte der Dichter im 19. Jahrhundert. Die - angeblich aus Versehen - in der vergangenen Woche erfolgte Verbrennung von Koran-Schriften auf dem US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan hat solch katastrophale Folgen gehabt: Mehr als 30 Menschen wurden seither bei Massenprotesten getötet. Dass die Verbrennung von Koran-Exemplaren solche Reaktionen hervorrufen würde, hätten die Soldaten wissen können. Im März 2011 hatte der evangelikale US-Prediger Wayne Sapps demonstrativ einen Koran verbrannt und damit heftige Proteste der Muslime weltweit hervorgerufen. Im Sommer zuvor hatte auch der evangelikale Pastor Terry Jones mit seiner Ankündigung, zum 11. September einen Koran zu verbrennen, Angst vor Terroranschlägen ausgelöst. Daraufhin setzte Jones die Verbrennung aus.
Die Bedeutung des Korans für die Muslime lässt sich nicht mit der Bedeutung der Bibel für Christen vergleichen. „Der Koran stellt unmittelbar das Wort Gottes dar. Das Leben des Propheten wird als der gelebte Koran verstanden“, erklärt Bekir Alboga, derzeit Sprecher des Koordinationsrats der Muslime (KRM). Das Buch nimmt damit jene Stellung ein, die Jesus von Nazareth im Christentum hat. Die Verbrennung eines Korans ist schlimmste Gotteslästerung. Der Umgang mit heiligen Schriften ist aber auch in anderen Religionen ein heikles Thema. Als der Hessische Rundfunk (HR) 2007 für die Sendung „Hardliner des Herrn“ über christliche Fundamentalisten eine Bibel verbrennen ließ, wehrten sich Kirchenvertreter. Bischof Gebhard Fürst, Vorsitzender der Medienkommission der katholischen Bischofskonferenz, sprach von einer „Verhöhnung der Heiligen Schrift der Christen und Juden“. Große öffentliche Reaktionen blieben aber aus.
Jenseits provokativer Bücherverbrennungen hat die verhängnisvolle Aktion der US-Soldaten eine Diskussion darüber ausgelöst, wie man mit schadhaften religiösen Büchern umgehen sollte. Barbara Leicht vom Katholischen Bibelwerk in Stuttgart verweist darauf, dass jüdische Gemeinden verschlissene religiöse Bücher nicht vernichten, sondern in Extra-Räumen im Umkreis von Synagogen aufbewahren. Texte, die die Schriftzeichen für den Gottesnamen enthalten, dürfen nicht einfach weggeworfen werden. Auch bei Christen gibt es Scheu, Bibeln und andere religiöse Bücher einfach zu entsorgen. Darüber gibt es im Internet eine lebhafte Debatte, beispielsweise unter www.gutefrage.net oder www.wer-weiss-was.de. „Die Tatsache, dass ich eine Bibel, die mein Bernhardiner wegen Langeweile völlig zernagt hatte, mit dem Altpapier entsorgt habe, ist keine Missachtung“, meint beispielsweise User Rolf. „Ein Buch ist ein Buch.“ Auch auf der Internetseite „mycath.de“ macht sich ein User Gedanken: „Mein Schott hat einen schweren Wasserschaden. Der Schott beinhaltet ja hauptsächlich Bibeltexte, also Gottes Wort.“ Das Buch einfach in den Müll zu schmeißen, scheut sich der Frager. „Verbrennen wäre auch komisch, wegen der Bücherverbrennungen“. Die mit Smiley versehene Antwort eines anderen Users „Ins Osterfeuer damit“ ist gar nicht so weit von der Haltung der Kirchen entfernt.
Eduard Nagel, Referent beim Deutschen Liturgischen Institut der katholischen Kirche, rät man zu einem würdigen Umgang mit religiösen Büchern. Es gebe aber im Kirchenrecht keine offiziellen Regeln, sagte er. Manche Priester und Gläubige hätten solche Bücher etwa im Pfarrgarten vergraben, um sie vor Missbrauch zu schützen. „Aber es ist auch kein Sakrileg, wenn man alte Bibeln verbrennt oder entsorgt. Nicht das Buch als Gegenstand ist heilig, sondern der Inhalt.“ Ähnlich sieht das auch der Präsident der evangelischen Deutschen Bibelgesellschaft, Johannes Friedrich. Das Wort Gottes sei nicht an ein bestimmtes Medium gebunden. Entscheidend sei, mit welcher Absicht ein Buch entsorgt werde: „Wenn jemand eine Bibel zerreißt, weil er seine Geringschätzung bekunden will, ist das etwas anderes, als wenn ich eine zerlesene Bibel entsorge.“
(KNA - lmkmlq-BD-1241.34DA-1)

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