Arabische Bischöfe fürchten islamischen Fundamentalismus

KNA 06.02.2012
Köln (KNA) Der algerische Erzbischof Ghaleb Bader fürchtet einen wachsenden religiösen Fundamentalismus in der islamischen Welt. Dieser stehe dem Christentum in muslimischen Ländern oft schroff feindselig gegenüber und beunruhige die Christen vor Ort, sagte der Erzbischof von Algier am Wochenende bei einer Veranstaltung des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ in Köln. Er gab zu bedenken, dass etwa in Ägypten in den vergangenen zehn Monaten während des „arabischen Frühlings“ in Ägypten mehr Christen ermordet worden seien als in 30 Jahren unter dem Regime von Präsident Hosni Mubarak.
Der libanesische maronitische Bischof Samir Mazloum erklärte bei der Veranstaltung, dass sich die Christen im Nahen Osten und insbesondere in seinem Nachbarland Syrien unsicher fühlten. Auch andere religiöse und gesellschaftliche Minderheiten fürchteten „das, was das bisherige Regime unter Assad ersetzen könnte“, so der emeritierte Kurienbischof. Im Falle eines Sturzes von Präsident Baschar al-Assad sei nicht klar, ob die Rechte der Bürger bestärkt oder islamistische Strömungen die Freiheit unter einer neuen Diktatur beschneiden würden.
Auch der Nahost-Experte von „Kirche in Not“, Pater Andrzej Halemba, bezeichnete die arabischen Revolutionen als einen „Sturm“, dessen Richtung noch nicht klar sei. Halemba betonte auch die gefährliche Situation der Christen in Nigeria, wo die islamistische Terrorgruppe Boko Haram mit brutalen Mitteln dafür kämpfe, die Christen des Landes der Scharia zu unterwerfen. Die drei Geistlichen äußerten sich auf einer Podiumsdiskussion zur „Lage der Christen im Nahen Osten nach dem 'Arabischen Frühling'„. Anlass war eine Gedenkveranstaltung von „Kirche in Not“ zum neunten Todestag des Gründers, Pater Werenfried van Straaten (1913 - 2003). Zuvor hatte Joachim Kardinal Meisner den als „Speckpater“ berühmten Geistlichen in einer Predigt im Kölner Dom gewürdigt.
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