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  Islamische Theologie startet an Universität Tübingen

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KNA 17.01.2012

 

Islamische Theologie startet an Universität Tübingen

 

Tübingen (KNA) Die Ausbildung islamischer Theologen in Deutschland hat begonnen. Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) eröffnete am Montag an der Universität Tübingen das bundesweit erste Zentrum für Islamische Theologie. „Die Eröffnung bedeutet nicht nur einen wichtigen Schritt für den Forschungsstandort Deutschland, sondern ist auch Zeichen des Respekts vor dem Islam“, sagte die Ministerin. Zugleich werde deutlich, dass religiöse Vielfalt in Deutschland nicht als Bedrohung, sondern vielmehr als große Bereicherung empfunden werde.

 

Tübingen hat als erster von vier Standorten für Islamische Studien offiziell seine Arbeit aufgenommen. Weitere Zentren entstehen derzeit in Osnabrück/Münster, Frankfurt/Gießen und Erlangen/Nürnberg. Dafür stellt der Bund in den kommenden fünf Jahren insgesamt 20 Millionen Euro als Anschubfinanzierung bereit. In Tübingen ist zum Wintersemester 2011/2012 bereits ein achtsemestriger Bachelorstudiengang gestartet, der islamische Theologie mit geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen verbinden will. Ergänzend soll ein Masterstudiengang sowie ein Lehramtsstudiengang entwickelt werden. Bislang sind 36 Studenten eingeschrieben; die Universität Tübingen hat unter Mitwirkung eines mit Muslimen besetzen Beirats sechs Professoren berufen. Die Zentrumsleitung hat der Koranwissenschaftler Omar Hamdan.

 

Der Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime, Bekir Alboga, sprach von einem „glücklichen Moment“ und einem „Meilenstein“ für die Muslime in Deutschland. Zugleich wiederholte er seine Forderung, die Muslime in Deutschland „wie die katholische, evangelische oder jüdische Gemeinde auch“ als Religionsgemeinschaft anzuerkennen. Ohne diese Anerkennung könnten sich Muslime nicht gleichberechtigt in die deutsche Gesellschaft einbringen.

 

Neben der Forschung ist die Ausbildung von Religionslehrern eine wichtige Aufgabe der neuen Zentren für islamische Theologie an deutschen Universitäten. Das Bundesbildungsministerium geht davon aus, dass in den kommenden Jahren rund 2.000 islamische Religionslehrer für etwa 700.000 muslimische Schüler benötigt werden. Insgesamt leben in der Bundesrepublik rund vier Millionen Muslime.

 

Die neuen Zentren wollen auch die Grundlagen für eine Ausbildung von Imamen, also muslimischen Gemeindeleitern, legen. Bislang kommen die allermeisten der bundesweit etwa 2.000 Imame aus dem Ausland, vor allem aus der Türkei. Koordinierungsrat-Sprecher Alboga betonte am Rande der Eröffnung allerdings, das Tübinger Zentrum könne keinesfalls Imame ausbilden. Neben der wissenschaftlichen Ausbildung fehlten dazu noch Strukturen für praktische Ausbildungsteile, beispielsweise nach „Vorbild des christlichen Pfarrvikariats“.

 

(KNA - lmkllq-bd-1513.26wu-1)

 

 

 

Große Chancen

Erstes Zentrum für Islamische Theologie eröffnet

 

Von Volker Hasenauer (KNA)

 

Tübingen (KNA) Die islamische Theologie ist an den deutschen Universitäten angekommen. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) eröffnete am Montag in Tübingen das bundesweit erste Zentrum für Islamische Theologie. An der Eberhard-Karls-Universität und an drei weiteren Uni-Standorten sollen künftig der islamische Theologennachwuchs sowie muslimische Religionslehrer ausgebildet werden. Dafür nimmt der Bund in den kommenden fünf Jahren insgesamt 20 Millionen Euro in die Hand. Schavan sprach von einem „guten Tag für die islamische Theologie im Haus der Wissenschaft“.

 

Nun wird die Praxis zeigen, was auf die hohen Erwartungen an die neuen Zentren folgen wird. Beim Tübinger Festakt war viel von „Meilensteinen“, „historischen Entwicklungen“ und „wichtigen Schritten“ für die islamische Theologie wie für die Muslime in Deutschland die Rede. Neben Schavan beschrieb auch die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) die Hoffnung, dass das neue Zentrum neben seiner wissenschaftlichen Forschung und Lehre wichtige Impulse für die Integration und gesellschaftliche Beteiligung von Muslimen in Deutschland geben könne.

 

Der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime in Deutschland, Bekir Alboga, zeigte sich erfreut über das neue Zentrum, weil damit der Islam in Deutschland als Religion auf der „Ebene der vielfältigen Universitätslandschaft“ anerkannt werde. Zugleich wiederholte er seinen Appell, dass die Muslime in Deutschland möglichst schnell als Religionsgemeinschaft im Sinne des Grundgesetzes anerkannt werden sollten: „Denn noch können wir beispielsweise unsere Kinder nicht im Standesamt als muslimisch eintragen lassen.“

 

Der Forschungs- und Lehrbetrieb am Tübinger Zentrum hat indes mit den ersten 36 eingeschriebenen Studenten - darunter 23 Frauen - bereits begonnen. Sechs Professuren wurden gemeinsam von Universität und dem eigens gegründeten, mit Muslimvertretern besetzten Beirat ausgewählt. Zusätzlich zum achtsemestrigen Bachelorstudiengang soll bald ein Master- und Lehramtsangebot folgen. Universitätsrektor Bernd Engler lobte die Zusammenarbeit mit dem vom Wissenschaftsrat vorgeschlagenen Beiratsmodell als „vorzüglich und vertrauensvoll“.

 

Das Zentrum soll mittelfristig zudem eng mit den theologischen Fakultäten der Universität, aber auch mit der Heidelberger Hochschule für jüdische Studien zusammenarbeiten. Hochrangige Vertreter aus Christen- und Judentum nahmen am Gründungsfestakt teil. Ministerin Schavan erinnerte daran, dass die Entscheidung der Bundesregierung, Islamische Theologie-Zentren an deutsche Universitäten zu bringen, auch viel Skepsis und Kritik ausgelöst habe. Aber gerade in der modernen Gesellschaft, die von wachsendem religiösen Pluralismus gekennzeichnet sei, brauche es dringend Orte des wissenschaftlichen Dialogs, der Ausbildung und Forschung. „Wir müssen verstehen, was den anderen heilig ist“, forderte Schavan.

 

Mehmet Pacaci vom türkischen Religionsamt Diyanet äußerte die Hoffnung, dass das Zentrum zudem dabei helfen werde, in Deutschland bestehende „Missverständnisse“ gegenüber dem Islam und den Muslimen zu beseitigen. Es könne einen Beitrag zu konstruktiven Beziehungen über Religionsgrenzen hinweg leisten: „Glauben und Religion dürfen keine Grenzen bilden, sondern müssen wie offene Fenster wirken.“

 

Unklar blieb bei der Eröffnung, ob in Tübingen künftig auch der Grundstock für die Ausbildung von Imamen, also muslimischen Gemeindeleitern, gelegt werden soll. Koordinationsratssprecher Alboga verneinte dies und sprach sich am Rande der Eröffnung für die Einführung eines praktischen Ausbildungsteils für Imame nach dem Vorbild des christlichen Pfarrvikariats aus. Damit dürften auch nach der akademisch-feierlichen Eröffnung noch viele Detailfragen in der Ausgestaltung von Lehrangeboten und Forschungs- schwerpunkten offen bleiben. Muslime, Universität und die Bildungsministerin waren sich jedoch einig, dass es nun gelte, große Chancen für die Islamische Theologie als Wissenschaft genauso wie für die Muslime in Deutschland insgesamt zu nutzen.

 

(KNA - lmkllq-bd-1655.04yu-1)

 

 

 

Islamische Studien

 

Tübingen ist der erste von vier Universitätsstandorten, an denen künftig das Fach „Islamische Studien“ gelehrt wird. Es folgen Münster/Osnabrück, Erlangen/Nürnberg und Frankfurt/Gießen. Die Seminare sollen islamische Religionslehrer, Theologen und Imame ausbilden. Damit hofft die Bundesregierung, die Integration des Islam in Deutschland zu stärken. Ziel ist laut Bundesbildungs- ministerin Annette Schavan (CDU) eine islamische Theologie, die auf Grundlage historisch-kritischer Exegese der Schriften die „Substanz des Glaubens wahrt und die Übersetzung in die Moderne leistet“.

 

Auf dem Lehrplan des neuen Fachs stehen unter anderem die Bereiche islamisches Recht, Islam in der Moderne sowie islamische Religionspädagogik. Der Bund fördert die Standorte über fünf Jahre mit jeweils rund vier Millionen Euro. Wachsender Bedarf besteht vor allem an Religionslehrern. Als erstes Bundesland führt Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr flächendeckenden islamischen Religionsunterricht ein. Bundesweit warten 700.000 muslimische Schüler auf die Einführung eines religiösen Bekenntnisunterrichts, für die rund 2.000 Lehrer erforderlich sind.

 

Über Beiräte an den Seminaren sollen die islamischen Verbände Einfluss auf die Besetzung des Lehrpersonals und der Lehrinhalte haben. Kritiker befürchten allerdings, dass sie somit ihr konservatives Islamverständnis in den Seminaren verankern könnten. Die Verbände wiederum sehen die Beiratslösung nur als Provisorium. Sie streben die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft an. Dies würde ihnen erlauben, die religiöse Ausbildung und Lehre wie die Kirchen in eigener Regie durchzuführen.

 

(KNA - lmkllq-bd-1249.13yu-1)


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