Stichwort: Aleviten

KNA 04.02.2011
Die Aleviten sind eine Glaubensgemeinschaft, die sich im 13. und 14. Jahrhundert in Anatolien aus dem schiitischen Zweig des Islam entwickelt hat. Ihr Name verweist auf Ali, den Vetter Mohammeds und vierten Kalifen, den sie tief verehren, manche Aleviten sogar als Inkarnation Gottes. Die rituelle Gottesverehrung des Mehrheitsislam lehnen die Aleviten ab.
Vorschriften der Scharia und die fünf Säulen des Islam - etwa die täglichen Pflichtgebete oder das Fasten im Ramadan - halten sie für irrelevant. Im Mittelpunkt ihrer esoterisch geprägten Lehre, die keinem zentralen Dogma folgt, stehen ethische Aspekte. Das bedeutendste alevitische Ritual sind die Treffen der Gläubigen in sogenannten Cem-Häusern. Dabei wird auch Alkohol getrunken, Männer und Frauen nehmen gemeinsam teil.
Die häufige Definition der Aleviten als „liberale Muslime“ ist jedoch irreführend. Viele Aleviten sehen sich vielmehr als Anhänger einer eigenen Religion. Strengen Sunniten gelten sie als Ketzer. In der Türkei, wo sie nach Schätzungen bis zu 30 Prozent der Bevölkerung stellen und gerade unter Kurden weit verbreitet sind, waren die Aleviten oft schwerer Verfolgung ausgesetzt. Bis heute werden sie vom türkischen Staat diskriminiert. Auch in Deutschland leben mehrere Hunderttausend Aleviten. Sie gelten als besonders gut integriert und sind mit dem Verband der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF) in der Deutschen Islam Konferenz vertreten.
(KNA - llkokl-BD-1359.08HE-1)
Lesen Sie hierzu auch: Türkei will Rechte der Aleviten stärken:
(KNA 02.04.2011)

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