Bischöfe: Kreuzurteile stärken Recht auf Religionsfreiheit

KNA 26.03.2011
BWien/Brixen (KNA) Als „bahnbrechend“ haben die österreichischen Bischöfe die beiden jüngsten Kreuzurteile begrüßt. Sowohl der österreichische Verfassungsgerichtshof als auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hätten in zwei unterschiedlichen Fällen bekräftigt, dass das Kreuz seinen Platz im öffentlichen Raum hat, heißt es in einer Erklärung der Bischofskonferenz im Anschluss an ihre Frühjahrsvollversammlung in Brixen/Südtirol.
Die Bischöfe sehen darin eine „Stärkung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit und eine Wahrung der Rechte von Eltern und Kindern auf religiöse Erziehung“. Durch die Gerichtsentscheidungen sei das Vertrauen der Bürger in die durch Verfassung und Menschenrechtskonvention garantierten Grundrechte gestärkt. Beide Urteile erkennten das Kreuz als religiöses und kulturelles Symbol an, das in den vom Christentum geprägten Ländern Europas ein „wichtiges Element einer gemeinsamen Identität“ sei. Auch werde klar festgehalten, dass vom Kreuz kein Zwang ausgehe und es als „passives Symbol“ nicht indoktriniere.
Der österreichische Gesetzgeber habe in dieser Frage bereits in der Vergangenheit eine klare rechtliche Basis geschaffen, so die Bischofskonferenz. Diese biete für das Zusammenleben in einer pluralen und multireligiösen Gesellschaft einen verlässlichen Rahmen und ermögliche gelebte Toleranz. Religiöse Symbole wie das Kreuz hätten eine vielschichtige Bedeutung, betonen die Bischöfe. Im Gerichtssaal etwa halte das Kreuz den Blick dafür offen, „dass menschliche Entscheidungen keine letztgültigen“ seien. Im Krankenzimmer, „in dem sich oft unerbittlich die Sinnfrage stellt“, stehe das Kreuz als „Garant einer letzten Hoffnung“. Durch das Kreuz werde auch deutlich, „dass hier Menschen wirken, die sich unter Gott wissen und sich selbst nicht zum Maß der Dinge erheben“. Die Bischöfe verweisen darauf, dass auch andersgläubige und nichtgläubige Menschen die beiden Kreuzurteile begrüßten.
In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „IMAS international“ stimmten unterdessen 80 Prozent der Österreicher der Aussage zu: „Österreich ist ein christliches Land und sollte es auch bleiben.“ Eine deutliche Mehrheit (70 Prozent) habe sich darin auch für Kreuze in Schulen ausgesprochen, meldete die katholische Nachrichtenagentur Kathpress am Freitag. Gegen die Auffassung, Österreich sei ein christliches Land und solle es auch bleiben, sprachen sich demnach 13 Prozent aus; 19 Prozent lehnten Kreuze in Schulen ab. Die Umfrageergebnisse belegen laut IMAS, dass die Identifikation der Österreicher mit einer Gesellschaft christlicher Prägung „in nahezu allen Teilgruppen der Bevölkerung massive Mehrheiten findet“. Generell folge die Bevölkerung „in ungewöhnlicher Geschlossenheit“ dem Argument, wonach das Kreuz „jenseits religiöser Bedeutung Werte und Prinzipien symbolisiert, die der westlichen Demokratie zugrunde liegen“. Den Angaben zufolge war die Haltung unter den Grünen-Wählern am distanziertesten. 34 Prozent wandten sich demnach gegen Kreuze in Klassen; 29 Prozent bestritten den Charakter Österreichs als Land mit christlichem Selbstverständnis. Die repräsentative Befragung wurde nach IMAS-Angaben von Ende Februar bis Mitte März unter 1.001 Personen über 16 Jahren durchgeführt.
(KNA - llknmp-BD-1322.27DA-1)

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