Streit ums Gotteshaus Doku über den umstrittenen Moscheebau in Köln

KNA 24.03.2011
Von Monika Herrmann-Schiel (KNA)
Straßburg (KNA) Seit der Fertigstellung im Jahre 1880 ragen die Türme des Kölner Doms, mit dessen Bau schon im Jahre 1248 begonnen worden war, 157,38 Meter hoch in den Himmel. Der Dom ist das Wahrzeichen der Stadt am Rhein. Touristen aus der ganzen Welt besichtigen das imposante Gebäude. Zurzeit entsteht knapp drei Kilometer westlich des Doms ein neues Gebäude im Dienst der Religion, das - so die Hoffnung einiger Bürger - bald ebenfalls das Interesse der Touristen wecken wird: die Zentralmoschee des türkisch-islamischen Verbands DITIB in Köln-Ehrenfeld.
Doch der Bau war in der Stadt heftig umstritten. Knapp acht Wochen, nachdem am 2. Februar in Ehrenfeld Richtfest gefeiert wurde, zeigt ARTE am 26. März um 16.55 Uhr die Dokumentation „Halbmond über Köln. Der Streit um den Bau der Moschee“ der Kölner Autoren Gerhard Schick und Birgit Schulz. Ihr Film ist eine Bestandsaufnahme der Auseinandersetzung vom Bekanntwerden der Baupläne bis heute.
Der auf Kirchenbauten spezialisierte Architekt Paul Böhm und die Bauherren der DITIB kommen ebenso zu Wort wie der ehemalige Oberbürgermeister Fritz Schramma, der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges, der Beauftragte für interreligiösen Dialog der DITIB, Bekir Alboga, der dem Kölner Moscheebau kritisch gegenüberstehende Publizist Ralph Giordano, Mitglieder der islamischen Gemeinde oder Vertreter der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Köln.
Der Film macht deutlich, wie breit gefächert die Positionen von Befürwortern und Gegnern sind und wie sich durch mangelhafte Kommunikation, aber auch durch mangelnde Dialogbereitschaft die Fronten verhärtet haben. Köln erlebte in den vergangenen Jahren hasserfüllte Demonstrationen und Gegendemonstrationen, in deren lautstarkem Geschrei besonnene und mahnende Stimmen beinahe unterzugehen drohten.
Rund 120.000 Muslime leben heute in Köln. Viele von ihnen freuen sich auf den neuen repräsentativen Moscheebau. Eine modern gestaltete, sehr transparent wirkende 35 Meter hohe Kuppel und zwei schlanke runde 55 Meter hohe Minarette sind die herausragenden Kennzeichen des Baus, der auf dem Gelände zwischen Innerer Kanalstraße und Venloer Straße entsteht. Alteingesessene Ehrenfelder wiederum sehen das Wachsen des Gebäudes mit Skepsis. Ihr Viertel verändert sich, und das schürt Ängste. Sorgen um die eigene Identität zwischen Integration und Assimilation haben auch die Zuwanderer. Hier kann ein offener Dialog weiterhelfen. Der Konflikt aber wird von politischen Kräften unterschiedlicher Ausrichtung missbraucht.
Der Film dokumentiert diesen Streit sachlich und arbeitet ihn zu einem guten Teil auf. In jedem Fall, auch das ist klar, sind die Fertigstellung und Eröffnung der Moschee im Jahr 2012 schon jetzt ein Faktum. Schade ist nur, dass die Autoren einige wesentliche Fragen ausgeklammert haben. Weder die Finanzierung des Projekts noch die Rolle der eng an den türkischen Staat angelehnten DITIB werden näher beleuchtet. Sie untersteht der Aufsicht der Religionsbehörde in Ankara. Woher das Geld für die rund 25 Millionen Euro teure Moschee mit Gemeindezentrum kommt, bleibt unklar. Die Baukosten sollen aus Spenden, Eigenmitteln der DITIB und einer Baufinanzierung aufgebracht werden, heißt es. Bis Anfang März diesen Jahres gingen laut DITIB 8,4 Millionen Euro auf einem Spendenkonto ein.
(KNA - llknmn-BD-1209.23RO-1)
Hinweis: „Halbmond über Köln. Der Streit um den Bau der Moschee“. Film von Gerhard Schick und Birgit Schulz. ARTE, Samstag, 26. März, 16.55 Uhr bis 17.45 Uhr.
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