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  Bischof Paul Hinder über die Lage der Kirche in Arabien

Bischof Paul Hinder

Bischof Paul Hinder

Bischof Paul Hinder über die Lage der Kirche in Arabien

 

Vatikanstadt 15.10.2010 Von Burkhard Jürgens (KNA)

 

Der Schweizer Bischof Paul Hinder (68) ist als Apostolischer Vikar für Arabien zuständig - mit drei Millionen Quadratkilometern der weltweit größte und zugleich einer der schwierigsten Verwaltungsbezirke der katholischen Kirche. Derzeit nimmt der Kapuziner an der im Vatikan tagenden Nahost-Synode teil. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) äußert er sich über die Grenzen seiner Arbeit als Bischof und kirchliches Konkurrenzdenken.

 

KNA: Herr Bischof, wie ist die Arbeitsatmosphäre in der Synode?

 

Hinder: Jetzt sind wir in der Phase, in der jeder Bischof ein fünfminütiges Statement hält. Allerdings vertrete ich im Unterschied zu den Bischöfen aus dem Libanon oder Syrien mein riesiges Gebiet allein. Der Bischof von Kuwait und ich repräsentieren etwa 50 Prozent aller Katholiken im Mittleren Osten, und zusammen haben wir zehn Minuten Redezeit. Aber das ist ein Schönheitsfehler, den wir in der öffentlichen Diskussion ausgleichen können.

 

KNA: Sie kommen aus Arabien, wo Christen einen besonders delikaten Stand haben. Welche Anliegen haben Sie zu dem Treffen mitgebracht?

 

Hinder: Ich hoffe auf die nötige Aufmerksamkeit für die Situation am Golf. Uns selbst sind teilweise die Hände gebunden. Über die Herausforderung, die sich etwa in Saudi-Arabien stellt, können wir nicht offen reden. Zudem sind wir eine multinationale und multirituelle Kirche: Über 80 Prozent der Katholiken gehören dem lateinischen Ritus an, die übrigen praktisch allen existierenden katholischen Ostkirchen. In Saudi-Arabien gibt es zwei Millionen Katholiken, die seelsorglich unterversorgt sind. Da ist es unmöglich, alle legitimen Bedürfnisse zu befriedigen. Ich kann auch in den anderen Ländern nicht für beliebig viele Priester Visa vergeben. Bei den katholischen Ostkirchen scheint mir manchmal das Verständnis dafür zu fehlen. Die meinen, wir könnten für diese oder jene Gruppe eine Kirche bauen. Hier wünsche ich mir bei der Synode eine Sensibilisierung.

 

KNA: Die Monarchen von Kuwait und Saudi-Arabien besuchten den Papst, Bahrain und die Emirate haben erstmals einen Botschafter zum Vatikan entsandt, Katar hat einen Kirchenbau genehmigt. Wird Arabien liberal?

 

Hinder: Liberal ist vielleicht etwas hoch gegriffen. Ich würde von einer schrittweisen Entkrampfung reden. Aber man sollte das nicht überschätzen. In diesem Bereich ist diskrete Arbeit noch immer das Beste. Von europäischer Warte meint man oft, wenn man viel Lärm macht, erreicht man am meisten. Das ist eben nicht der Fall. Andersherum heißt das nicht, dass man schweigen soll. Gerade was etwa Religions- und Kultusfreiheit angeht, sollen Regierungen und Nichtregierungsorganisationen ruhig davon reden. Nur sollen sie nicht erwarten, dass wir selbst darauf pochen.

 

KNA: Offenbar sollten politische Fragen bei der Bischofsversammlung außen vor gelassen werden. Eine realistische Vorgabe?

 

Hinder: Ausschalten lässt sich das auf keinen Fall. Aber es ist richtig, dass die Synode zuerst die Belange der Kirche anschaut. Die Kirchen werden nur dann einen Beitrag zur Lösung der Probleme in der Region leisten können, wenn sie zuvor einige Hausaufgaben erledigen. Das Konkurrenzdenken unter Christen muss überwunden werden, die Tendenz, sich nur um den eigenen Garten zu kümmern. Es kommt immer noch vor, dass eine Kirche der anderen ein Bein stellt. Das ist menschlich, aber wenn es ums Existenzielle geht, müssen wir zusammenarbeiten, sonst schaden wir uns selbst. Und gerade in dieser Region gibt es Dritte, die sich ins Fäustchen lachen, wenn wir selbst nicht imstande sind, unsere Konflikte zu lösen.

 

KNA: Welche Wirkungen erwarten Sie von der Synode?

 

Hinder: Ich erwarte einen Schub der Ermutigung für die Christen in der Region. Das kann längerfristig Kräfte freisetzen, die man jetzt noch nicht sieht. Nötig wäre mehr Bildung in allen kirchlichen Ebenen, aber auch die Bekämpfung fundamentalistischer Tendenzen. Diese gibt es nicht nur im Islam, sondern auch in den Köpfen verschiedener Christen. Aus der Synode könnte mehr herauskommen, weil viele wenig erwarten. Es gibt andere Beispiele aus der Region, dass nicht diejenigen Verhandlungen am erfolgreichsten sind, auf die man am meisten Hoffnung gesetzt hat. Manchmal geht es dort einen Schritt weiter, wo man nichts erwartet. Ich lasse mich überraschen.

(KNA - lklkln-BD-1636.34GE-1)

 

 


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