Gemeinsame Erklärung von Christen und Muslimen gegen Gewalt

Bonn (dpa) - Die gemeinsame Erklärung von Vatikan und führenden iranischen Theologen ist aus Sicht des Experten Peter Hünseler von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (Bonn) ein «wichtiges Zwischenergebnis». Innerhalb eines langjährigen Dialogs mit Muslimen sei bei dem nun sechsten Zusammentreffen mit Schiiten aus dem Iran ein «Kommuniqué von hohem Stellenwert» gelungen. «Ganz entscheidend ist hierbei die Absage an die Gewalt als zentraler Punkt», sagte der Leiter der Fachstelle für christlich-islamischen Dialog der Bischofskonferenz auf dpa-Anfrage.
Zugleich betonte Hünseler, die Feststellung, dass Glaube und Vernunft gewaltlos sein müssten und nicht für Gewalttätigkeit missbraucht werden dürften, sei seitens der muslimischen Unterzeichner auch «mutig». Im Iran gebe es hier gegensätzliche Positionen. Die gemeinsame Erklärung mit ihren sieben Grundsätzen sei auch in einer Linie mit der Regensburger Vorlesung von Papst Benedikt im September 2006 zu sehen, sagte der Experte der Bischofskonferenz.
«Diese Rede hat die muslimische Seite zunächst sicherlich sehr verstört, sie hat aber auch etwas angestoßen, dass beide zum Nachdenken gebracht hat.» Nach der Papst-Vorlesung zu Vernunft und Glaube - damals waren Positionen aus dem Zusammenhang gerissen worden und hatten heftige Proteste bei vielen Muslimen ausgelöst - habe es auch Annäherung und Dialog gegeben, erklärte Hünseler: «Zuerst äußerten sich 38 intellektuell hoch angesehene Muslime, danach gab es eine ”Antwort der 138”.» Nach weiteren wichtigen Bewegungen sei nun mit dem neuen gemeinsamen Dokument ein «bedeutender Schritt in dem unverzichtbaren Dialog zwischen Islam und Christentum» getan.
«Islam und Christentum dürfen politisch nicht weiter auseinanderdriften. Der Vatikan und muslimische Vertreter führen diesen Dialog, weil wir uns um den Weltfrieden sorgen und weil wir ein friedliches Zusammenleben in Deutschland wollen», betonte der Sprecher. Der Vatikan und führende schiitische Theologen aus dem Iran hatten sich in Rom auf die Erklärung «Glaube und Vernunft im Christentum und im Islam» geeinigt.

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Schlagworte

Vatikan; Kardinal Tauran; Schiiten; Iran; Religion und Gewalt
