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  „Glaube und Vernunft sind in sich gewaltlos“

Gemeinsame Erklärung von Vatikan und islamischen Theologen


Der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog und eine hochrangige Delegation der iranischen „Islamic Culture and Relations Organisation“ mit Sitz in Teheran sind in der vergangenen Woche zu bilateralen Religionsgesprächen im Vatikan zusammengetroffen. Das dreitägige Kolloquium unter Leitung von Kardinal Jean-Louis Tauran und dem Präsidenten des Teheraner Instituts, Mahdi Mostafawi, stand unter dem Thema „Glaube und Vernunft in Christentum und Islam“. Es handelte sich um das sechste derartige Kolloquium. Beide Gruppen verabschiedeten eine gemeinsame Erklärung, die die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) in einer eigenen Übersetzung dokumentiert.
(...) Die Teilnehmer untersuchten mit Hilfe von sechs Referaten, gehalten von drei Gelehrten jeder Seite, das Thema „Glaube und Vernunft in Christentum und Islam“. Dieses wurde anhand von drei Unterthemen aus Sicht von Katholiken und schiitischen Muslimen entwickelt: 1) Glaube und Vernunft: Welche Beziehung? 2) Theologie/Kalam als Frage nach der Rationalität des Glaubens; 3) Glaube und Vernunft angesichts des Phänomens der Gewalt. Am Ende des Treffens kamen die Teilnehmer in folgenden Punkten überein:

  1. Glaube und Vernunft sind beides Geschenke Gottes an die Menschheit.
  2. Glaube und Vernunft widersprechen einander nicht; allerdings kann der Glaube in manchen Fällen über der Vernunft stehen, jedoch nie ihr entgegen.
  3. Glaube und Vernunft sind in sich gewaltlos. Weder die Vernunft noch der Glaube sollten für Gewalttätigkeit benutzt werden; bedauerlicherweise wurden beide bisweilen dazu missbraucht, Gewalt zu verüben. In jedem Fall können diese Ereignisse weder die Vernunft noch den Glauben in Zweifel ziehen.
  4. Beide Seiten einigten sich, weiterhin zusammenzuarbeiten, um echte Religiosität und besonders echte Spiritualität zu fördern, um zur Achtung von Symbolen zu ermutigen, die als heilig angesehen werden, und um moralische Werte zu fördern.
  5. Christen und Muslime sollten über Toleranz hinausgehen und Unterschiede akzeptieren, sich dabei ihrer Gemeinsamkeiten bewusst bleiben und Gott dafür danken. Sie sind zu gegenseitigem Respekt aufgerufen und somit dazu, die Verspottung religiöser Überzeugungen zu verurteilen.
  6. Beim Sprechen über Religionen sollten Verallgemeinerungen vermieden werden. Konfessionelle Unterschiede in Christentum und Islam sowie die Verschiedenheit der historischen Umstände stellen wichtige Faktoren dar, die in Betracht zu ziehen sind.
  7. Religiöse Traditionen dürfen nicht auf Grundlage einzelner Verse oder Textabschnitte beurteilt werden, die sich in den jeweiligen heiligen Büchern finden. Sowohl eine ganzheitliche Sicht als auch eine angemessene hermeneutische Methode sind für ihr angemessenes Verständnis erforderlich.
    (KNA – 5748))


Weiterführende Links

Union: Treffen von Vatikan und iranischen Muslimen wegweisend

 

Hünseler: Gemeinsame Erklärung ist ein wichtiges Zwischenergebnis


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interreligiöser Dialog und christlich islamischer Dialog.


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Schlagworte

Vatikan; Kardinal Tauran; Schiiten; Iran; Religion und Gewalt


 
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