NRW gibt Handreichung zum Umgang mit muslimischen Schülern heraus

Eine neue Broschüre soll Lehrern und Erzieherinnen in NRW dabei helfen, muslimische Kinder und Jugendliche besser zu verstehen. Immer mehr Schulen und Kindertageseinrichtungen seien im Umgang mit fremden Kultur, unbekannter Religion und anderen Erziehungsmethoden verunsichert, sagte der nordrhein-westfälische Integrationsbeauftragte Thomas Kufen (CDU) am Mittwoch vor Journalisten in Düsseldorf.
Die neue Handreichung sei als eine Orientierungshilfe gedacht. "Wir wollen die interkulturelle Kompetenz der Pädagogen stärken", erklärte Kufen. In zwölf Kapiteln thematisiert die Broschüre das muslimische Verständnis der Familie, religiöse Speise- und Kleidungsvorschriften, Moral und Ethik im Islam sowie das geschlechterspezifische Rollenverständnis. Auch konkrete Fragen des Schulalltags wie die Beteiligung muslimischer Mädchen am Sport- und Schwimmunterricht werden erörtert. Dabei gehe es den Autoren der Broschüre nicht darum, den Pädagogen Verhaltensvorschriften zu machen, betonte Kufen. "Wir wollen sie vor allem ermuntern, den Dialog mit den muslimischen Familien zu suchen."
Es sei wichtig, dass sich Lehrer nicht erst im Konfliktfall mit muslimischen Eltern und deren Erziehung, Religion und Kultur auseinandersetzten, betonte der ehemalige Gymnasiallehrer Jörgen Nieland. Er hat die Handreichung gemeinsam mit der Professorin für Islamische Religionspädagogik der Universität Münster, Lama Kaddor, verfasst. "Wir wollen Wege für eine Partnerschaft zwischen Pädagogen und Eltern aufzeigen", sagte Nieland.
Eine Befreiung aus religiösen Gründen vom Schwimm- und Sportunterricht sollte möglich sein, aber nur als allerletzte Möglichkeit, erklärte Kaddor. Es gäbe viele Alternativen, die muslimischen Eltern zuvor angeboten werden könnten. Dazu gehörten Badekappen und Schwimmanzüge oder nach Geschlechtern getrennter Schwimmunterricht, Kopftücher im Sportunterricht oder die Beachtung der Speisevorschriften auf Klassenfahrten. Die Handreichung zeige Lösungen auf. "Sie ersetzen aber nicht die Diskussionen, die jeder einzelne Pädagoge mit den muslimischen Schülern und Eltern führen muss", betonte Kaddor.

Dr. Peter Hünseler im Domradio-Interview zur Handreichung können Sie in unserer Mediathek hören.

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