Religionsfrieden in Österreich


Antworten von Kardinal Christoph Schönborn
Heute beginnt die „Weltgebetswoche für die Einheit der Christen“. Genau vor 100 Jahren – im Jahr 1908 – wurde zum ersten Mal diese Gebetswoche durchgeführt, vom 18. bis 25. Jänner. Heute gehört sie weltweit zu den wichtigsten Momenten der Gemeinsamkeit aller Christen. Warum sind wir uns nicht längst schon völlig einig? Manche verstehen nicht, warum es nicht schon so weit ist. Doch vergessen wir nicht: Wir kommen von weit her. Die Konflikte zwischen den christlichen Kirchen haben jahrhundertelang Europa und Teile der Welt zerrissen. Religionskriege waren an der Tagesordnung. Mit Leidenschaft, mit Überlebensangst kämpften die christlichen Konfessionen um die Vorherrschaft. Für uns ist das heute schwer verständlich. Wir haben in Österreich ein ausgezeichnetes Miteinander. Wir achten uns gegenseitig. Wir handeln oft gemeinsam. Und wo es Spannungen gibt, können sie meist gütlich beigelegt werden. Der Frieden unter den Christen musste erst schmerzlich erlernt werden. Inzwischen leben auch immer mehr Gläubige anderer Religionen in unserem Land. Der Islam ist in manchen Bundesländern die zweitgrößte Religion. Es muss auch hier gelingen, einen Weg des Miteinanders in Österreich zu gehen. Toleranz ist nicht selbstverständlich. Gegenseitige Achtung, aufeinander zugehen. Das Positive des anderen sehen. Konflikte benennen und bearbeiten. Sich ehrlich sagen, wo man miteinander Schwierigkeiten hat. Wird dieses Lernen auch zwischen Christen und Muslimen gelingen? Ich bin sicher: Die meisten auf beiden Seiten wollen das. Sie wollen in Frieden miteinander leben. Gott gebe es, dass die Störenfriede nicht die Oberhand bekommen. Wir werden alles dafür tun müssen!
Quelle: Tageszeitung Heute 18.01.2008.

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