„Die Kirche als Institution anerkennen“

Weltkirche-Bischof Schick für Religionsfreiheit in der Türkei
Der für Weltkirche-Fragen zuständige Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat in der vergangenen Woche die Türkei besucht und mit mehreren Bischöfen über die Lage der Christen gesprochen. Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) berichtete der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz am Dienstag über die Benachteiligung der Christen, ihre Hoffnungen auf Europa und das im Juni 2008 beginnende Paulusjahr. Dieses erinnert an die Geburt des Völkerapostels vor 2.000 Jahren.
KNA: Herr Erzbischof, wie sicher sind Christen sechs Monate nach dem Mord an drei christlichen Verlagsmitarbeitern in der Türkei?
Schick: Die Situation der Christen ist unverändert. Sie halten sich ziemlich zurück und versuchen jede Konfrontation zu vermeiden, üben aber gleichzeitig ihre Religion aus. Dabei wollen sie den Eindruck vermeiden, sie würden missionieren.
KNA: Sie haben sich mit mehreren Amtsbrüdern getroffen. Was erwarten diese von den europäischen Katholiken?
Schick: Dass wir sie unterstützen, damit sie ihren Glauben freier und offener leben können. Die Türkei muss die Christen anerkennen und ihnen volle Religionsfreiheit gewähren. Dazu ist es auch nötig, die Kirche als Institution öffentlichen Rechts anzuerkennen. Als juristische Person existiert die Kirche nicht. Sie kann so etwa auch keine Kirchen bauen.
KNA: Welche Rolle könnte dabei die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religionen (Ditib) in Deutschland spielen?
Schick: Die Ditib müsste sich dafür einsetzen, dass die Kirche in der Türkei die gleichen Rechte bekommt, wie die Ditib sie in Deutschland genießt.
KNA: Wie stehen die Christen in der Türkei zum EU-Beitritt des Landes?
Schick: Die katholische Kirche befürwortet die Beitrittsverhandlungen. Sie hofft, dass sich dadurch ihre Lage verbessert. Die passive und aktive Religionsfreiheit gehört zum Standard in der Europäischen Union.
KNA: Ab dem 28. Juni 2008 wird das Paulusjahr gefeiert. Wird es auch an den Paulusstätten in der Türkei gefeiert werden können?
Schick: Die Bischöfe möchten dies und bereiten sich auch entsprechend darauf vor. Aber es ist immer noch schwer, Gottesdienste an den Stätten der Paulusverehrung zu feiern. In Tarsus etwa ist in einer Kirche ein staatlich geführtes Museum untergebracht. Der Staat sollte das Gebäude in das Eigentum des zuständigen Bischofs übertragen, dann könnten dort ungehindert Gottesdienste gefeiert werden.
KNA: Kommen keine positiven Signale von staatlicher Seite?
Schick: Die gibt es: Man will während des Paulusjahrs etwas offener sein! Das ist aber keine wirkliche Lösung des Problems. Die uneingeschränkte Anerkennung der Christen und der Kirche ist das Ziel.
KNA: Wird es Pilgerfahrten in die Türkei geben?
Schick: Die Bischöfe wollen, dass es solche Besuche gibt. Immerhin ist mehr als die Hälfte des Neuen Testaments in der Türkei geschrieben worden. Die ersten acht Konzilien waren dort. Mehr Pilgerreisen wären schön. Sie würden dem Christsein, der Ökumene und dem interreligiösen Dialog neue Impulse geben.
KNA: Wollen Sie auch in die Türkei pilgern?
Schick: Ich werde sicher während des Paulusjahrs wieder dorthin reisen - auch um ein Zeichen zu setzen.
Interview: Christian Wölfel (KNA)

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