Gutes Wahlergebnis der Salafisten beunruhigt Christen in Ägypten

KNA 07.12.2011
München (KNA) Führende Vertreter christlicher Kirchen in Ägypten haben sich beunruhigt über die ersten Ergebnisse der Parlamentswahlen geäußert. Mit dem guten Abschneiden der Muslimbrüder mit 45 Prozent der Stimmen hätten sie gerechnet, sagte der Sprecher der katholischen Kirche, Pater Antoine Rafael Greiche, am Montag dem in München ansässigen Hilfswerk „Kirche in Not“. Der Erfolg für die fundamentalistischen Salafisten mit 21 Prozent sei aber nicht erwartet worden. Gerade das Ergebnis für die Salafisten sollte Christen und auch moderate Moslems alarmieren, sagte Greiche.Die Salafisten sprächen offen darüber, den Tourismus zu verbieten und Frauen die Ganzkörperverschleierung gesetzlich vorzuschreiben. Sie sähen Christen und gemäßigte Muslime als „Ungläubige“ an und träten für eine scharfe Umsetzung der Scharia ein.
Der Pater erinnerte daran, dass Salafisten allein in diesem Jahr für mehrere Angriffe auf christliche Kirchen verantwortlich gewesen seien. „Sie verlangen von uns Christen, dass wir in den Westen fliehen und sprechen von Ägypten, als wäre es ein rein muslimisches Land.“ Dabei lebten dort bis zu 13Millionen Christen. Der bisherige Wahlsieger, die Partei „Freiheit und Gerechtigkeit“ der Muslimbrüder, ist nach Ansicht von Greiche nicht weniger radikal als die „Nour“-Partei der Salafisten. Allerdings seien die Muslimbrüder „verärgert“ über das unerfahrene Auftreten ihrer Glaubensgenossen.
Der koptisch-katholische Bischof Kyrillos von Assiut in Oberägypten sagte „Kirche in Not“, er habe keine Angst vor den Salafisten oder Muslimbrüdern. Ihr Erfolg habe zwar überrascht. Nun gelte es abzuwarten, was in den nächsten beiden Runden der Parlamentswahl geschehe. Eher skeptisch äußerte sich der koptisch-katholische Bischof von Gizeh, Antonios Aziz Mina: „Die Muslimbrüder wissen, was sie tun. Ich habe Angst davor, was sie und die Salafisten anstellen werden, wenn sie erst die Macht haben.“
Beide Bischöfe und auch der Pater warnten jedoch davor, die Situation voreilig zu beurteilen. Noch befänden sich die Wahlen in einer frühen Phase. Greiche erinnerte daran, dass es Hinweise auf Unstimmigkeiten bei der Stimmenabgabe in Kairo und Alexandria gegeben habe. Diese hätten dazu geführt, dass ein Teil der Stimmen für ungültig erklärt worden sei. In den betroffenen Bezirken müsse die Wahl im nächsten Monat wiederholt werden. Die zweite von insgesamt drei Wahlrunden beginnt am 14. Dezember, die letzte am 3. Januar 2012.
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