Kirche und Zivilgesellschaft fordern Ende der Gewalt in Nigeria

KNA 10.01.2012
Bonn (KNA) Der Terror gegen Christen in Nigeria sorgt für anhaltende Proteste. Drei der bekanntesten Schriftsteller des Landes forderten in einem offenen Brief ein Ende der religiösen Gewalt, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker am Montag in Göttingen mitteilte. Der Hass zwischen Muslimen und Christen drohe zu einem Flächenbrand zu werden, heißt es demzufolge in dem Schreiben von Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, dem Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Chinua Achebe, und des Dichters John Pepper Clark-Bekederemo.
Die Autoren appellieren an Politiker sowie ethnische und religiöse Gemeinschaften, sich gegen eine Eskalation der Gewalt zu stellen. Außerdem solle die Regierung den schon vor Jahren geäußerten Vorschlag einer „Nationalen Konferenz“ aller ethnischen und religiösen Gemeinschaften wieder aufgreifen, um gemeinsam über die Perspektiven Nigerias zu beraten.
Bei Anschlägen der islamistischen Gruppe Boko Haram gegen Christen im Norden Nigerias sind seit Weihnachten Dutzende Menschen getötet worden. Aus Angst vor einer Eskalation der Gewalt befinden sich viele Muslime aus dem christlich geprägten Süden sowie Christen aus dem Norden auf der Flucht. Der Erzbischof der nigerianischen Stadt Jos, Ignatius Ayau Kaigama, forderte die Regierung des Landes zu entschiedenem Handeln auf. Sie müsse wieder „ein Klima der Sicherheit und des gegenseitigen Vertrauens unter den Nigerianern in den verschiedenen Teilen des Landes“ herstellen, sagte Kaigama dem vatikanischen Pressedienst Fides am Montag. Eine Massenflucht gebe es im Norden des Landes aber noch nicht, sagte der Erzbischof.
Der nigerianische Menschenrechtler Obiora Ike kritisierte, Präsident Goodluck Jonathan tue „entschieden zu wenig“ gegen Boko Haram. Außerdem seien Polizei und Armee durchsetzt mit radikalen Muslimen, die bei Angriffen auf Christen beide Augen zudrückten oder die Täter sogar unterstützten, sagte Ike im Deutschlandfunk. Boko Haram werde weiter von Extremisten und Waffenlieferungen aus dem Ausland unterstützt, so der Priester und Institutsgründer. Die Christen in Nigeria fühlten sich zunehmend ausgeliefert und alleingelassen.
Auch Papst Benedikt XVI. forderte erneut die Einhaltung der Religionsfreiheit in Afrika und weltweit. Beim Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps im Vatikan rief er die internationale Gemeinschaft auf, zu einem Ende der Gewalt beizutragen und den Respekt vor der Menschenwürde zu fördern. Die Religion dürfe niemals ein Vorwand sein, die Regeln von Recht und Gerechtigkeit zu missachten, betonte das Kirchenoberhaupt.
(KNA - lmklkt-bd-1450.45ki-1)

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