Ägyptische Kopten beklagen „Atmosphäre des Hasses“

KNA 09.12.2011
Berlin (KNA) Das Oberhaupt der Kopten in Deutschland, Bischof Anba Damian, hat eine „Atmosphäre des Hasses und der Propaganda“ gegenüber Christen in Ägypten beklagt. Neben der täglichen Diskriminierung und Gewalt gebe es Entführungen und Vergewaltigungen, sagte Damian am Donnerstag in Berlin. Insgesamt hätte sich die Situation der Christen seit dem Ende des Regimes von Hosni Mubarak verschlechtert. Schuld daran sei vor allem das Militär.
Damian äußerte sich anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember. Er selbst war im November einige Tage in Ägypten. In der Zeit des „Arabischen Frühlings“ hätten sich auch die koptischen Christen große Hoffnungen gemacht, so Damian weiter. Auch sie hätten auf dem Tahrir-Platz demonstriert. Inzwischen gebe es eine große Ernüchterung. Für Straftaten gegenüber Christen habe es bislang noch keine Verurteilungen gegeben. Damian betonte, die bekannt gewordenen „Unregelmäßigkeiten“ bei der Wahl in Ägypten hätten ihn nicht überrascht.
Die ägyptische Frauenrechtsexpertin, Fairouz Tutte, beklagte zudem Benachteiligungen von Frauen in dem Land. Auch sie seien schlechter gestellt als vor der Revolution. So steige der Druck, sich zu verschleiern und Bildung für Frauen werde etwa von vielen muslimischen Salafisten nicht länger für nötig erachtet. Derzeit sehe die Zukunft für ihre weiblichen Landsleute dunkel aus, so Tutte. Der Sprecher des Vorstands der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin, warnte vor einem Rückschritt Ägyptens in das salafistische Mittelalter. An die Bundesregierung und die Europäische Union appellierte er, keinen „Kuschelkurs zu fahren“ und auf die Universalität der Menschenrechte zu pochen. In den arabischen Staaten müsse es eine Trennung von Religion und Staat geben. Ansonsten drohe eine „Iranisierung“.
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