Vor dem islamischen Opferfest steigen die Ziegenpreise rasant

KNA 04.11.2011
Ein kleines Vermögen für den Ziegenbock
Vor dem islamischen Opferfest steigen die Ziegenpreise rasant
Von Katrin Gänsler (KNA)
Abidjan (KNA) Niemand weiß genau, wie viele Tiere auf dem größten Ziegenmarkt von Abidjan in der Elfenbeinküste derzeit auf einen Käufer warten. „Es sind Tausende“, sagt Toure Baba. Der Viehhändler aus Mali hat allein 20 mitgebracht und will Anfang November das Geschäft des Jahres machen. Denn am 6. November wird das muslimische Opferfest gefeiert, das in Westafrika unter dem Namen Tabaski bekannt ist. Im Mittelpunkt steht ein Ziegenbock, doch den können sich längst nicht alle Muslime leisten. Toure Baba wandert durch die langen Reihen, in denen die Ziegenböcke um braune Futterkrippen herum angepflockt sind. Geduldig harren sie in der Mittagssonne aus und knabbern ab und zu an ein paar Grashalmen. Einmal im Jahr kommt der Händler aus Mali nach Abidjan, um hier seine Tiere zu verkaufen. Er hat sich mit ein paar Kollegen zusammengetan, um sich nicht gegenseitig die Preise kaputtzumachen. Die steigen - so empfinden es viele Muslime in Westafrika - seit Jahren rasant an und verleiden ihnen das Opferfest. Besonders schlimm war es 2010. Damals setzte im August eine Dürrekatastrophe in Niger ein, woher ein guter Teil der Ziegenböcke stammt. Die Tiere verendeten. Vor allem im Nachbarland Nigeria, in dem sich etwa die Hälfte der 160 Millionen Einwohner zum Islam bekennt, konnten die Händler der großen Nachfrage nicht nachkommen. Aus Kundensicht trieben sie die Preise unverhältnismäßig in die Höhe. Tabaski wurde zur Enttäuschung.
Zwar ist es für Muslime nicht zwingend notwendig, zum Opferfest ein Tier zu schlachten. Aufgefordert sind all jene, die es sich leisten können. Damit verbunden ist allerdings die Verpflichtung, ein Drittel des Fleisches an Arme zu verteilen. Für Muslime weltweit ist Tabaski - im arabischen Raum Eid-al-Adha - neben dem Ende des Ramadan das wichtigste Fest. Es erinnert daran, dass Ibrahim einst bereit war, für Allah seinen Sohn Isma'il zu opfern. Doch auch ohne Dürrekatastrophe fehlt vielen Menschen das Geld für eine richtige Feier. In Abidjan zeigt Toure Baba einer Kundin seine Tiere. Der Händler bindet einen der Ziegenböcke los, um dessen Vorzüge anzupreisen. „Gut im Fleisch, eine gute Wahl“, sagt er und versucht zu lachen. Doch die Frau schüttelt immer wieder den Kopf. „Viel zu teuer, viel zu teuer“, schimpft sie. Die Tiere, die er ihr zeigt, sind die kleinsten Böcke, die nicht so aussehen, als bekäme man mit ihnen eine Großfamilie satt. Kosten sollen die kleinen Vierbeiner um die 70.000 Cefa, gut 100 Euro. „Dafür hat es früher viel bessere Tiere gegeben“, sagt die potenzielle Käuferin. Außerdem sitze das Geld in diesem Jahr nicht so locker wie in der Vergangenheit, erklärt sie. Die Regierungskrise zu Jahresbeginn und die damit verbundenen blutigen Ausschreitungen zwischen Anhängern des einstigen Machthabers Laurent Gbagbo und des heutigen Präsidenten Allassane Ouattara hätten die Wirtschaft massiv geschwächt. „Wir haben viel Geld verloren. Das fehlt uns jetzt für die Feier.“ Sie lässt Toure Baba stehen und versucht ihr Glück bei einem anderen Händler.
Toure Baba nimmt es gelassen und hofft auf zahlungskräftigere Kunden. Das müssen für ihn nicht unbedingt gläubige Muslime sein. Denn der Mann aus Mali hat noch etwas ganz anderes im Angebot: einen pechschwarzen Ziegenbock, der für Tabaski viel zu schade wäre. Schwarze Ziegenböcke sind extrem selten. „Auf dem ganzen Markt findest du keinen zweiten“, sagt er stolz und zeigt auf all die weißen und gescheckten Vierbeiner. Doch manchmal bräuchten Priester zwei Böcke, an denen kein einziges weißes Haar zu finden ist. „Für spezielle Opferrituale, die nur mit Hilfe der schwarzen Tiere ausgeführt werden können“, sagt er geheimnisvoll. Ebenso vorsichtig ist Toure Baba mit dem Preis. Am Ende lässt er sich ihn doch entlocken: Umgerechnet gut 1.200 Euro soll ihm der Bock bringen. „Dagegen sind die Preise für die kleinen Tabaski-Böcke doch lächerlich“, sagt er grinsend und reibt sich die Hände. Hat es sich erst herumgesprochen, dass er den schwarzen Bock hat, wird sein Priester schon noch kommen.
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