Syrien: Christen befürchten bei Umsturz Welle der Islamisierung

KNA 10.11.2011
Wien (KNA) Christen in Syrien betrachten die gegenwärtigen Proteste und Auflehnungen gegen das Regime Baschar al-Assad mit „großer Sorge“. Zwar seien mehr Demokratie, mehr Rechtsstaatlichkeit und freie Wahlen wünschenswert, sagte der syrisch-orthodoxe Metropolit von Aleppo, Yohanna Ibrahim Gregorios, am Mittwoch der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress in Wien. Der Weg dorthin müsse aber nicht notwendigerweise über „blutige Proteste“ führen.
Zugleich erinnerte der Metropolit daran, dass das Assad-Regime gerade für die Religionsgemeinschaften auch ein „hohes Maß an Sicherheit und Stabilität“ gebracht habe. Es brauche eine politische und gesellschaftliche Veränderung, betonte der Metropolit weiter. Allerdings zeichne sich noch nicht ab, in welche Richtung die Entwicklung gehe. „Es gibt kein Modell“, so Gregorios. Auch wenn Syrien nicht ohne weiteres vergleichbar mit Ländern wie Ägypten und Irak sei, beobachte man die Entwicklung dort daher sehr genau.
Kein Christ in Syrien wolle Zustände wie im Irak, unterstrich Gregorios. Auch das Beispiel Ägypten sei bislang nicht überzeugend; es stehe nicht fest, ob es dort wirklich zu einer Demokratie komme. Sorgen bereiteten den Christen vor allem eine drohende „Welle der Islamisierung“ in einem postrevolutionären Syrien. Diese sei für Christen bereits jetzt zu spüren. Gegen einen „neuen, vor allem importierten Fundamentalismus“ setze das Christentum auf einen „Dialog des alltäglichen Lebens und der Praxis“.
Dies bedeute, dass beide Seiten sehr wohl wüssten, dass sie einen Weg des friedlichen Zusammenlebens im Alltag finden müssten. Die syrisch-orthodoxe Kirche unterhalte etwa Schulen, an denen nahezu die Hälfte der Schüler Muslime seien; dort würden sie auch im Islam unterrichtet, so Gregorios: „Wir bilden die neue Generation von Muslimen aus.“ Auf dieser Ebene eines praktischen Dialogs müsse man weiterarbeiten, wenn das Projekt einer Koexistenz erfolgreich sein solle. Gregorios nimmt bis Freitag an einem Kolloquium der Stiftung „Pro Oriente“ in Wien teil. Kirchenvertreter des gesamten Nahen Ostens beraten dort über die aktuellen Herausforderungen für die Christen im Zuge des „Arabischen Frühlings“.
(KNA - llllkt-bd-1552.50to-1)

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