Assisi-Treffen mit Aufrufen zu religiöser Toleranz eröffnet

KNA 28.10.2011
Assisi (KNA) Mit einer Verurteilung religiös motivierter Gewalt und einem Appell zu Toleranz haben Vertreter der großen Weltreligionen am Donnerstag das Weltfriedenstreffen in Assisi eröffnet. Etwa 300 Repräsentanten aus 31 christlichen Kirchen und von 12 Weltreligionen waren am Vormittag auf Einladung von Benedikt XVI. gemeinsam mit ihm im Zug von Rom in die mittelitalienische Stadt gereist.
Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., rief die Religionsgemeinschaften auf, sich gegen eine „Entstellung“ ihrer Botschaft durch Gewalt zur Wehr zu setzen. Nur eine entschiedene Verurteilung aller Kriege könne der Instrumentalisierung von Religion zu kriegerischen Zwecken entgegenwirken, sagte er in der Kirche Santa Maria degli Angeli.
Der Generalsekretär der Internationalen Konferenz der islamischen Schulen, Kyai Haji Hasyim Muzadi, forderte eine gründlichere religiöse Bildung, um die Gläubigen gegen einen Missbrauch der Religion für politische, kulturelle oder wirtschaftliche Zwecke zu immunisieren. Um ein friedliches Zusammenleben der Religionen zu gewährleisten, müssten zudem auch die Unterschiede respektiert werden, sagte der Indonesier.
Der Primas der Anglikanischen Kirche, Erzbischof Rowan Williams, hob das Ideal der brüderlichen Verbundenheit aller Menschen als gemeinsames Gut der Religionen
hervor. „Wir sind heute hier, um unseren Willen oder mehr noch unsere leidenschaftliche Entschlossenheit zu bekunden, unsere Welt davon zu überzeugen, dass Menschen nie Fremde sein dürfen“, sagte Williams.
Der Vertreter des israelischen Großrabbinats, David Rosen, betonte, Frieden stelle mehr als nur eine pragmatische Notwendigkeit dar. Glaubende strebten nach einem höheren, göttlichen Frieden. Rosen dankte Benedikt XVI. für seine Initiative zu einem weiteren Weltfriedenstreffen 25 Jahre nach der ersten Zusammenkunft, zu der Johannes Paul II. im Jahr 1986 eingeladen hatte.
Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Olav Fykse Tveit, erinnerte an die besondere Verpflichtung der Christen für ein friedliches Zusammenleben der Religionen und Völker. „Das Kreuz steht nicht für Kreuzzüge, sondern ist ein Zeichen, dass Gottes Liebe jeden Menschen umarmt“, sagte er.
Der Präsident des Päpstlichen Rates „Iustitia et Pax“, Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, würdigte die Fortschritte im interreligiösen Dialog seit dem ersten Weltfriedenstreffen. In dieser Zeit sei das Gefühl der Brüderlichkeit und Solidarität zwischen den Religionen gestärkt worden, sagte Turkson.
(KNA - lllkmr-bd-1143.52ro-1)

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