Zur Person: Mouhanad Khorchide

KNA 24.09.2011
Die Wahl ist auf Mouhanad Khorchide gefallen. Der 40-jährige Islamwissenschaftler durfte am Freitag in Berlin für die Muslime sprechen, als sich Papst Benedikt XVI. mit Vertretern des Islam in Deutschland traf. Khorchide findet nicht nur bei den islamischen Verbänden Akzeptanz. Vertrauen genießt er auch bei staatlichen Stellen. In Abstimmung mit dem nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium wurde er 2010 zum Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster ernannt. Damit ist er verantwortlich für den bundesweit ersten Ausbildungsgang für jene Lehrer, die den geplanten islamischen Religionsunterricht an Schulen erteilen sollen.
Khorchide wurde am 6. September 1971 in der libanesischen Hauptstadt Beirut geboren. Vor seiner Berufung nach Münster lehrte er an der Universität Wien, wo er von 1999 bis 2007 Islamwissenschaften/Islamische Theologie und Soziologie studierte. In Österreich arbeitete er anschließend als Religionslehrer und promovierte 2008 mit einer Studie zum Thema „Islamischer Religionsunterricht zwischen Integration und Parallelgesellschaft“. In Münster folgte Khorchide auf Sven Kalisch, der die historische Existenz des Propheten Mohammed in Frage gestellt hatte und daraufhin von seinen Aufgaben entbunden worden war.
Khorchide versucht, zwischen islamischer und westlicher Weltanschauung zu vermitteln. Er plädiert für eine Interpretation des Korans „für das Hier und Heute“ und lehnt eine rein historische Rezeption und unreflektierte Übernahme von Lehrmeinungen ab. Der Islam müsse sich den Herausforderungen durch Rechtsstaatlichkeit und Demokratie stellen. Umgekehrt prangert der Wissenschaftler eine von Vorurteilen geprägte Sichtweise auf Muslime in Deutschland an. So seien viele typische gesellschaftliche Probleme von Arbeitsmigranten als Probleme der Muslime missverstanden worden.
(KNA - llktmm-bd-1817.49ni-1)

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