Union und EKD mahnen Religionsfreiheit in der Türkei an

KNA 21.09.2011
Berlin (KNA) Der Unionsfraktions-Vorsitzende Volker Kauder (CDU) hat eine freie Religionsausübung für Christen in der Türkei angemahnt. So wie die Muslime in Deutschland Moscheen bauen dürften, so sollten auch „die Christen in der Türkei ihre Kirchen bauen dürfen“, sagte Kauder am Montag in Berlin an die Adresse des türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül, der sich derzeit zum Staatsbesuch in Deutschland aufhält. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, betonte, „es wäre schön, wenn unsere Pfarrer und Priester dort genau so
frei arbeiten könnten, wie die Imame hierzulande“.
Kauder und Schneider äußerten sich auf einem Kongress der Unions-Bundestagsfraktion zur Religionsfreiheit. Der EKD-Ratsvorsitzende verwies darauf, dass die Zahl der Christen in der Türkei durch eine gezielte Vertreibungs- und Diskriminierungspolitik in den vergangenen 100 Jahren von 25 Prozent der Bevölkerung auf 0,2 Prozent geschrumpft sei. Als Beispiele für eine Diskriminierung von Christen nannte er unter anderem den Umgang der türkischen Behörden mit dem Kloster Moor Gabriel und mit dem Besitz christlicher Gemeinschaften.
Mit Blick auf Deutschland kritisierte Schneider, dass das deutsche Recht bislang nur die Beschneidung der inneren Religionsfreiheit als Asylgrund ansehe, nicht aber die Beschränkung der öffentlichen Religionsausübung.
Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson, betonte, dass zum Menschenrecht der Religionsfreiheit das öffentliche Bekenntnis gehöre. Er beklagte in Westeuropa eine Tendenz zur negativen Religionsfreiheit als Freiheit von jedweder Religion. Dabei werde das Christentum nicht selten verunglimpft. Die Religionsfreiheit werde dem Menschen aber nicht vom Staat zugesprochen, sondern sei in der Natur des Menschen verankert. Deshalb müsse der Staat die Religionsfreiheit der Gläubigen wie der Nichtgläubigen anerkennen und schützen.
Der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick plädierte für mehr Ökumene beim Kampf gegen die Christenverfolgung. In Gegenden wie der indischen Provinz Orissa müssten europäische Kirchen gemeinsam einheimische Christen unterstützen und stärken. Dabei sei es wichtig, der Verfolgung durch den Aufbau von Rechtsstaatlichkeit den Boden zu entziehen. In Deutschland hätten die Christen zudem die Aufgabe, Gemeinden von Menschen zu unterstützen, die in ihrer Heimat religiös verfolgt wurden. Als Beispiel nannte er die chaldäischen Christen aus dem Irak.
(KNA - llktlt-bd-1516.36ge-1)

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