Giordano kritisiert Islam-Verständnis von Bundespräsident Wulff

KNA 21.09.2011
Berlin (KNA) Der Publizist Ralph Giordano wirft Bundespräsident Christian Wulff Blauäugigkeit im Umgang mit dem Islam vor. „Ich vermisse bei Ihnen jede Kritik an menschenrechtsfeindlichen Auffassungen und Praktiken innerhalb der türkisch-arabisch dominierten Minderheit“, schreibt Giordano in einem in der „Welt“ (Dienstag) abgedruckten offenen Brief an Wulff. Als Beispiel nannte Giordano unter anderem den Zwang des Kopftuchtragens, Zwangsverheiratungen und sogenannte Ehrenmorde, die seiner Meinung nach auch das Leben von Muslimen in der Bundesrepublik betreffen.
Kritisch äußerte sich Giordano auch zu Wulffs Ansichten über die Türkei, die der Bundespräsident im Vorfeld des Besuchs seines türkischen Amtskollegen Abdullah Gül gemacht hatte. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag) hatte Wulff gesagt: „Die Türkei ist ein Beispiel dafür, dass Islam und Demokratie, Islam und Rechtsstaat, Islam und Pluralismus kein Widerspruch sein müssen.“
Dieser Satz, so Giordano, verrate eine „verstörende Unkenntnis der Wirklichkeit“ und schließe sich „lichtdicht“ an Wulffs „historische Fehlthese“ vom 3. Oktober 2010 an. Am Tag der Deutschen Einheit hatte der Bundespräsident vor einem Jahr für Diskussionen gesorgt, als er sagte, nicht nur Christen- und Judentum gehörten zu Deutschland sondern inzwischen auch der Islam.
Giordano, der aufgrund der jüdischen Herkunft seiner Mutter von den Nationalsozialisten verfolgt wurde, betonte, dass es dem deutschen Staat und der Gesellschaft obliege, „jeden Zuwanderer, Fremden oder Ausländer vor der Pest des Rassismus und seinen Komplizen zu schützen“. Zugleich gebe es aber auch die Pflicht, „sich gegen Sitten, Gebräuche, Traditionen und Mentalitäten zu wehren, die jenseits von Lippenbekenntnissen den freiheitlichen Errungenschaften der demokratischen Republik ablehnend bis feindlich gegenüberstehen“.
An die Adresse des Bundespräsidenten gerichtet schreibt Giordano: „Von all diesen Problemen lese ich in Ihren Kommentaren zum Migrations-/Integrationskomplex nichts.“ Dabei sei es wichtig, eben diese Probleme auch zu benennen, so der 88-Jährige. „Nach den Erfahrungen in Hitlerdeutschland gibt es nur eine Gesellschaftsform, in der ich mich sicher fühle - die demokratische Republik. Wer sie antastet, ob Muslim, Christ oder Atheist, der hat mich am Hals.“
(KNA - llktmk-bd-1141.50aa-1)

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