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  Botschaft des Vatikans zum Ende des Ramadan

Jean-Louis Kard. Tauran

Jean-Louis Kard. Tauran

Liebe muslimische Freunde!

 

1. Da sich der Monat Ramadan dem Ende nähert, freut es mich - einer nunmehr gut bewährten Tradition folgend -, Ihnen die besten Wünsche des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog zu übermitteln. Während dieses Monats haben Ihnen nahestehende Christen an Ihren Besinnungen und familiären Feiern teilgenommen; der Dialog und die Freundschaft sind stärker geworden. Gott sei dafür gepriesen!

 

2. Wie in der Vergangenheit bietet dieses freundschaftliche rendez-vous uns auch die Gelegenheit, zusammen über ein aktuelles Thema nachzudenken, das unseren Austausch bereichern und uns helfen kann, uns mit unseren gemeinsamen Werten und Unterschieden besser zu verstehen. In diesem Jahr  möchten wir Ihnen das Thema der Familie vorschlagen.

 

3. Eines der Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils, Gaudium et Spes, über die Kirche in der Welt von heute, sagt: „Das Wohl der Person sowie der menschlichen und christlichen Gesellschaft ist zuinnerst mit einem Wohlergehen der Ehe- und Familiengemeinschaft verbunden. Darum  begrüßen die Christen zusammen mit allen, welche diese Gemeinschaft hochschätzen, aufrichtig all die verschiedenen Hilfen, mittels derer man heute in der Förderung dieser Gemeinschaft der Liebe und im Schutz des Lebens vorwärtskommt und Gatten und Eltern bei ihre großen Aufgabe unterstützt werden. Die Christen hoffen daher auf noch bessere Resultate und suchen dazu beizutragen“ (Nr. 47).

 

4. Diese Worte erinnern uns daran, dass die Entwicklung der Person und der Gesellschaft zum großen Teil vom Wohlergehen der ehelichen und familiären Gemeinschaft abhängt! Wie viele Menschen tragen - manchmal das ganze Leben lang - die Lasten der Verwundungen einer schwierigen oder dramatischen familiären Situation? Wie viele Männer und Frauen versinken im Abgrund von Drogen oder Gewalt und suchen vergeblich eine traumatische Kindheit wieder gutzumachen? Wir alle, Christen und Muslime, können und müssen zusammenarbeiten, um die Würde der Familie zu schützen, heute und morgen. 

 

5. Auf diesem Gebiet haben wir schon öfters die Gelegenheit gehabt, auf lokaler und internationaler Ebene zusammenzuarbeiten, zumal Christen und Muslime die Familie durchaus hochschätzen. Die Familie, der Ort, wo die Liebe und das Leben, die Achtung vor dem andern und die Gastfreundschaft sich begegnen und weitergegeben werden, ist wirklich die „Grundzelle der Gesellschaft“.

 

6. Christen und Muslime dürfen nicht zögern, nicht nur den Familien in Schwierigkeiten zu Hilfe zu kommen, sondern auch mit all jenen zusammenzuarbeiten, denen die Stabilität der Institution Familie und die Ausübung der elterlichen Verantwortung am Herzen liegen, besonders auf dem Gebiet der Erziehung. Es ist nicht unangebracht, daran zu erinnern, dass die Familie die erste Schule ist, wo man die Achtung vor dem anderen hinsichtlich seiner Identität und seiner Verschiedenheit lernt. Der interreligiöse Dialog und die Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten können daraus nur Nutzen ziehen.

 

7. Liebe Freunde, jetzt da Ihr Fasten zu Ende geht und Sie durch die Ihrer Religion teuren Praktiken gereinigt und erneuert sind, mögen Sie mit Ihren Familien und denen, die Ihnen lieb sind, ein  glückliches und erfolgreiches Leben erfahren! Der allmächtige Gott erfülle alle mit seiner Barmherzigkeit und seinem Frieden.

 

 

Jean-Louis Card. Tauran

Präsident

 

Erzbischof Pier Luigi Celata

Sekretär

 

[Vom Päpstlichen Rat veröffentlichte deutschsprachige Originalversion]

 


Auf unserer Hauptseite finden Sie weitere Informationen zu den Themen interreligiöser Dialog und christlich islamischer Dialog.


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Schlagworte

Prälat Dr. Karl Jüsten; Katholisches Büro Berlin; Religionsfreiheit; Türkei


 
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