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  Marsch gegen den Krieg

Kinder und Bischöfe beten in Bethlehem für Frieden in Gaza

 

Von Gabi Fröhlich (KNA)

 

Bethlehem (KNA) Bunte Fahnen und Luftballons flattern vor grauen Wolken. Die Stimmung beim fünften „Friedensmarsch der Kinder“ in Bethlehem ist gedrückt: Keine 80 Kilometer ist der Gaza-Streifen entfernt, und ein Ende der Kämpfe dort ist nicht in Sicht. Die Pfadfinder-Bands, die den Zug zur Geburtsbasilika normalerweise mit munterer Dudelsackmusik begleiten, pfeifen heute nur monoton im Marschrhythmus. „Sogar der Himmel weint“, sagt eine Begleiterin, als die ersten Tropfen fallen. Mehrere hundert christliche Kinder von Schul- und Pfarrgruppen aus dem ganzen Westjordanland sind für den Friedensmarsch nach Bethlehem gekommen. Ihnen voran zieht der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, unter einem Regenschirm mit Bürgermeister Viktor Batarseh. Das Gesicht des Kirchenfürsten wirkt müde - das Geschehen in Gaza lastet auf allen Teilnehmern hier. Heute hat sich die Zahl der Toten in dem Kriegsgebiet auf mindestens 850 seit Beginn der israelischen Offensive erhöht, die Zahl der Verletzten auf 3.500.

 

Neben dem Patriarchen gehen neun Bischöfe aus Europa und Amerika, darunter der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx. Sie sind am Wochenende zu ihrem alljährlichen Solidaritätsbesuch mit den Christen im Heiligen Land in Bethlehem eingetroffen. „Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir uns als Bischöfe hier sehen lassen“, sagt Marx. „Wir haben zwar keine politischen Lösungen parat, aber wir wollen unsere Verbundenheit mit den Christen hier zeigen und sie durch unsere Anwesenheit unterstützen.“

 

Der Marsch ist nicht nur verhaltener als in den vergangenen Jahren, sondern auch kleiner: „Viele Gruppen sind aus Angst vor Zwischenfällen zuhause geblieben“, berichtet George Ghattas von der Christlich-Ökumenischen Heilig-Land-Stiftung (HCEF), die den Friedensmarsch seit 2003 organisiert. Vor allem die Kinder aus Israel fehlen dieses Jahr. Dafür geht hinten mit einer Gruppe aus Ostjerusalem Schwester Nabila vom Orden der Rosenkranzschwestern.

 

Die Ägypterin durfte vor zwei Tagen mit einigen anderen ausländischen Ordensleuten den Gazastreifen verlassen. Mit Tränen in den Augen berichtet sie von dem „unendlichen Leid“ im Kriegsgebiet; von der alles beherrschenden Angst, von Hunger und Kälte, den vielen Opfern: „Wir wissen nicht, wie es den Kindern unserer Schule geht; die Telefone funktionieren größtenteils nicht mehr.“ Für diese Kinder wolle sie in die Welt schreien, dass der mörderische Kreislauf aufhören müsse.

 

Als der Zug vor der Geburtsbasilika zum Stehen kommt, lassen die Teilnehmer ihre gelben und weißen Luftballons in den grauen Himmel fliegen. Auf jedem steht in arabischen Schriftzeichen der Name eines in Gaza getöteten Kindes, dazu ein Bibelvers. Auf manche ist ein Kreuz gemalt. Während die gelbweiße Wolke über die Dächer davon schwebt, drängt der Zug durch die schmale Pforte der Kirche.

 

In der Grotte der Geburt Jesu unterhalb der Basilika versammeln sich die Bischöfe mit einigen Kindern, die Gebete vortragen - für die Menschen in Gaza natürlich, und für den Frieden. Über den Schwarm der begleitenden Fernsehkameras richtet der Patriarch am Ende noch einen erneuten Friedensappell an die Konfliktparteien: „Stoppt, stoppt die sinnlose Gewalt!“ ruft er; „militärische Lösungen sind keine Lösung, sondern rufen wieder nur neue Gewalt hervor.“ Zu viele unschuldige Opfer fordere dieser Krieg; nur ein echter Frieden auf der Grundlage von Freiheit und Gerechtigkeit für alle könne die ersehnte Sicherheit bringen.

 

Erzbischof Patrick Kelly von Liverpool spricht als Leiter der europäisch-amerikanischen Bischofsgruppe vom Gefühl der Ohnmacht angesichts des Übermaßes an Leid. Die geplanten politischen Gespräche der Kirchenvertreter sind wegen der aktuellen Krise abgesagt worden. Was ihnen bleibe, so Kelly, sei das Wissen darum, dass auch Gott selbst in dem Kind Jesus gerade hier machtlos auf die Welt gekommen sei - um ihr Schicksal zu wenden.


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