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  Muslime in Deutschland: Teil I: Von der Wahrnehmung zur Begegnung

Christen und Muslime in unserer Gesellschaft: Islamische Präsenz – eine Herausforderung für die Kirche

 

 

Katholische Schulen in freier Trägerschaft

 

(295) Die katholischen Schulen in freier Trägerschaft nehmen im öffentlichen Schulsystem der Bundesrepublik Deutschland eine besondere Stellung ein. Derzeit besuchen rund 370.000 Schülerinnen und Schüler die insgesamt 1.137 katholischen Schulen. Dies entspricht etwa 3 % der Gesamtschülerschaft in Deutschland.

 

(296) Als staatlich anerkannte Schulen erfüllen katholische Schulen in freier Trägerschaft alle allgemeinen Anforderungen, die an eine öffentliche Schule gestellt werden. In ihrer Besonderheit als katholische Schulen in freier Trägerschaft legen sie ihrer Arbeit ein pädagogisches Konzept zugrunde, das die religiöse Dimension in Unterricht und Schulleben einbezieht und nach der Lehre der katholischen Kirche eine Synthese von Glaube und Kultur und von Glaube und Leben im schulischen Bereich anstrebt. Diesem weitergehenden Konzept entspricht es, dass zum Schulprogramm katholischer Schulen auch eine intensive Befassung mit den nichtchristlichen Religionen gehört. Dabei wird nicht zuletzt auch angesichts der wachsenden Zahl der Muslime in Deutschland dem Islam besondere Aufmerksamkeit gewidmet, die sich in einer vertieften Auseinandersetzung niederschlägt. Diese geschieht insbesondere im katholischen Religionsunterricht,[1] in dem die Behandlung des Islam – neben den anderen Weltreligionen – obligatorisch ist, aber auch in anderen Unterrichtsfächern wie denen des gesellschaftswissenschaftlichen Bereichs. Von zunehmender Bedeutung sind auch Lernorte außerhalb der Schule, wie etwa die verstärkte Praxis von Moscheebesuchen zeigt. Durch Einladungen in ihre Räumlichkeiten oder auch in Kirchen tragen katholische Schulen viel zur notwendigen Begegnung zwischen Christen und Muslimen bei.

 

(297) Wegen der religiösen Prägung und Aufgeschlossenheit der katholischen Schulen wünschen manche muslimische Eltern, dass ihre Kinder dort aufgenommen werden. Dem entspricht eine grundsätzliche Bereitschaft der kirchlichen Träger, in begründeten Fällen auch muslimische Schülerinnen und Schüler aufzunehmen.

 

(298) Dies erfordert bei Aufnahmeanträgen muslimischer Kinder und Jugendlicher eine individuelle Beratung und Prüfung. Die Eltern und ihr Kind, für das ein Aufnahmeantrag gestellt wird, werden im Rahmen eines ausführlichen Gesprächs mit einem Vertreter des Schulträgers über den Charakter einer katholischen Schule, ihre Zielsetzung sowie die praktische Umsetzung dieser Zielsetzung informiert und erklären ihr Einverständnis mit der christlichen Grundkonzeption der Schule, in der ihr Kind erzogen werden soll. Unter diesen Voraussetzungen kann die Aufnahme von muslimischen Schülern eine besondere Möglichkeit der religiösen und kulturellen Begegnung darstellen und einen Beitrag zum Verständnis zwischen Christen und Muslimen und damit auch zur Integration in unsere Gesellschaft leisten.

 

(299) Katholische Schulen haben eine weitere Begegnungsebene mit dem Islam, indem sie Kontakte zu katholischen Schulen in islamischen Ländern unterhalten, deren Schüler- und z. T. auch Lehrerschaft überwiegend muslimisch ist. Sie haben dadurch gute Voraussetzungen zur Teilnahme an Programmen für internationale Schulpartnerschaften, Projektarbeiten und Lehrer- und Schüleraustausch, wie sie zur Zeit im Rahmen internationaler Institutionen. angestrebt werden.

 

(300) Durch solch breite Befassung mit dem Islam befähigen katholische Schulen in freier Trägerschaft ihre Lehrer- und Schülerschaft zu Begegnung und Zusammenarbeit mit Muslimen im In- und Ausland. Sie leisten dadurch einen unverzichtbaren Beitrag zum interkulturellen und interreligiösen Dialog und zur Integration der in Deutschland lebenden Muslime.

 

[1] Vgl. Islam als Gegenstand des katholischen Religionsunterrichts.

 

 

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Entnommen aus der Arbeitshilfe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Christen und Muslime in Deutschland" vom 23. September 2003. 

 

 

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