Muslime in Deutschland: Teil I: Von der Wahrnehmung zur Begegnung

Glauben und Handeln – was verbindet, was unterscheidet Muslime und Christen? Unterschiede in den Gemeinsamkeiten des islamischen und christlichen Glaubens
Der Mensch im Gegenüber zu Gott
(216) Die Gottesvorstellung des Islam lässt die Menschwerdung Gottes nicht zu und sieht in der Rede über die Möglichkeit personaler Beziehungen zwischen Gott und Mensch eine Gefahr. Gott selbst kann im Islam durch menschliche Schuld nicht betroffen werden. Wenn sich ein Mensch Gott gegenüber verfehlt, dann hat er lediglich Gottes Gesetz übertreten. Es gibt im Islam also kaum Raum für die wechselvolle Beziehungsgeschichte zwischen dem liebenden Gott des Bundes mit einem Volk, das er sich erwählt hat. Da nach der Lehre des Islam der Mensch fähig ist – mit Gottes gütiger Hilfe –, durch Gehorsam gegenüber dem göttliches Gesetz das Heil zu erlangen, erübrigt sich der Glaube an eine Erlösung, zumal an eine Erlösung vermittelt durch eine andere Person und gar durch deren Leiden und Kreuz.
(217) Im Koran stehen Aussagen, die die göttliche Vorherbestimmung postulieren, neben solchen, die die menschliche Freiheit voraussetzen. Aus der Sicht der Theologie der sunnitischen Mehrheit führt jedoch das Verhältnis zwischen der Transzendenz und Allmacht Gottes und der Freiheit des Menschen zum Glauben an die Vorherbestimmung. Für den Menschen bleibt darin nur die Freiheit zum „Erwerb der Handlungen“ (kasb), die von Gott zuvor schon geschaffen worden waren. Weil im christlichen Gottesbild der unendliche Abstand zwischen dem transzendenten Gott und der Endlichkeit des Menschen von Gott her insofern überwunden ist, als Gott ganz aus eigener Initiative und in Konsequenz seiner Liebe den Menschen befähigt zur Teilnahme und hineinberuft in die Teilnahme an der göttlichen, trinitarischen Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn und umgekehrt, in der Kraft des Heiligen Geistes, ist hier einer Freiheit und Intimität der Beziehung Raum gegeben, die nur im Glauben an die in Jesus von Nazareth, dem Wort Gottes, geschehene Offenbarung „begreifbar“ wird.
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Entnommen aus der Arbeitshilfe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Christen und Muslime in Deutschland" vom 23. September 2003.
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