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  Muslime in Deutschland: Teil I: Von der Wahrnehmung zur Begegnung

Glauben und Handeln – was verbindet, was unterscheidet Muslime und Christen? Islamische Reaktion auf die Grundaussagen des christlichen Glaubens

 

Gott, Sünde und Heil

 

 

(203) Bei der oben unter Kap. 2.1.3 (3) erwähnten Verfälschung der Heiligen Schriften der Juden und Christen handelt es sich um Verfehlungen, die Juden und Christen als Kollektiven angelastet werden. Der Einzelne verstößt gegen das Gesetz, wenn er die Unterscheidung des Koran zwischen Gut und Böse, mit ihren konkreten detaillierteren Ableitungen im islamischen Recht, missachtet. Nach traditionellen islamischen Vorstellungen ist zu unterscheiden einerseits zwischen einer Verletzung der Rechte von Mitmenschen, für die – so bei Tötungs- und Körperverletzungsdelikten – den jeweils Geschädigten oder deren Sachwaltern die Wahrnehmung eines Wiedervergeltungsanspruches unter Aufsicht des Staates zusteht, und andererseits der Verletzung der Rechte Gottes, für die – wie z.B. im Falle der Amputation der Hand bei Diebstahl – die Staatsgewalt die von Gott angeordneten Strafen vollstreckt. Diese Strafmodalitäten sind allerdings heutzutage in den meisten islamischen Ländern nach der Einführung von Strafgesetzbüchern nach europäischem Vorbild nicht mehr in Gebrauch. Für nicht mit strafrechtlichen Sanktionen belegte Verletzungen göttlicher Gebote kann der Mensch Gott um Vergebung bitten. Gott vergibt jedoch nur bei Vorliegen von Wiedergutmachungsbereitschaft und unter der Voraussetzung, dass der Mensch die Vergebungsbitte noch hier im irdischen Leben im Zustand der Handlungsfähigkeit ausspricht. Im Jüngsten Gericht gehen die während des Erdenlebens nicht vergebenen Verfehlungen in die Bilanz des Einzelnen ein, die, wenn sie negativ ausfällt, die Bestrafung zur ewigen Höllenpein nach sich zieht.

 

(204) Der Mensch ist von Natur aus nicht sündig, aber frei, vom rechten Weg abzuweichen. Gott ruft den Menschen immer wieder auf zur Umkehr und zum Gehorsam. Wer Gottes Wort missachtet und ihm nicht gehorcht, muss schließlich die Konsequenzen seines freien Handelns tragen. Wenn das Gesetz respektiert wird, stellt sich innerer Friede und Erfolg ein, sei es im Leben des Einzelnen oder dem der Gemeinschaft.

 

 

 

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Entnommen aus der Arbeitshilfe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Christen und Muslime in Deutschland" vom 23. September 2003. 

 

 

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