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  Muslime in Deutschland: Teil I: Von der Wahrnehmung zur Begegnung

Glauben und Handeln – was verbindet, was unterscheidet Muslime und Christen? Das Grundprofil des christlichen Glaubensbekenntnisses:

 

Gottes Selbstmitteilung in Jesus von Nazareth

 

 

(194) In dieser Bundes- und Beziehungsgeschichte steht auch Jesus von Nazareth – voll und ganz Mensch, „in allem uns gleich, außer der Sünde“ (vgl. Hebr 2,17; 4,15; Dignitatis Humanae 301). Er weiß sich restlos angewiesen auf Gott. Er betet zu Gott; er erleidet Todesnot und schreit zu Gott (vgl. Hebr 5,7). Aber im Hören auf die Glaubensgeschichte seines Volkes ist es ihm gegeben, auf Gott als zuvorkommend liebenden Vater zu vertrauen, auf das Ankommen seines Reiches zu hoffen und aus diesem hoffenden Vertrauen heraus sich Menschen, vor allem den Armen, Kleinen, Kranken und Sündern, zuzuwenden. In diesem Verhalten Jesu ist Gott selbst in einmaliger Weise wirksam; denn Jesus weiß sich selbst von Gott herkommend und von ihm beschenkt. Er verweist von sich weg auf Gott als Ursprung seines Handelns und seines Lebens (vgl. z. B. Mt 12,28; Mk 10,18; Lk 17,18; Joh 17,2 f.). Deshalb wird für Menschen, die sich mit ihrem Leben und Tun auf Jesus einlassen, in seinem Verhalten Gott selbst offenbar: sie lernen durch Jesus Vertrauen zu Gott als liebenden Vater, der den Verlorenen entgegenkommt und ihnen seine versöhnende Liebe schenkt. So empfangen sie durch Jesus Gemeinschaft mit Gott selbst und werden ermutigt, sich auch miteinander zu versöhnen.

 

(195) Das Verhalten Jesu, sein hoffendes Vertrauen und seine Liebe erreichen in seinem Leiden und Sterben eine letzte Radikalität. Obwohl Jesus sich von Gott verlassen fühlt, vertraut er doch auf Gott, seinen Vater. Obwohl er mit seinen eigenen Möglichkeiten am Ende ist, hofft er doch, dass Gott durch das Wirken seines Geistes das erwartete Reich herbeiführen wird. Obwohl er von Menschen verlassen und verworfen ist, lässt er sich nicht zum Bösen verleiten, sondern betet in Liebe für die, die ihn kreuzigen. Nach Jesu Sterben geht seinen Jüngern dann durch das Wirken des göttlichen Geistes in der österlichen Erfahrung auf, dass in Jesus dem Gekreuzigten Gott selbst in radikaler und unüberbietbarer Weise wirksam und offenbar ist. Denn Jesus wusste sich ja gerade in seinem Leiden ganz und gar angewiesen auf Gottes Wirken. Deshalb kommt in Jesu vertrauensvoll –hoffender Liebe Gott selbst als Liebe zur Erscheinung. In Jesu Selbsthingabe zugunsten der Menschen wird offenbar, dass Gott selbst sich zugunsten der Menschen hingibt, um sie in einer unversöhnten, unheilen Welt mit sich und untereinander zu versöhnen und sie so zu erlösen (vgl. 2 Kor 5,18 ff.). Solche Selbsthingabe aber ist unüberbietbar, denn mehr zu geben als sich selbst ist nicht möglich, auch für Gott nicht. In Jesus hat Gott die Radikalität seiner Liebe mitgeteilt. Deshalb kann das Neue Testament gleichsam als Wesensbestimmung Gottes die Aussage machen: „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,8.16). Und Jesus, in dem dieses ,Wesen‘ Gottes erscheint, wird als das „Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ bezeichnet (Kol 1,15). Jesus entspricht in seiner „Liebe bis zur Vollendung“ (Joh 13,1) ganz dem, was der geheimnisvolle Gott selbst ist: sich hingebende Liebe.

 

(196) Die späteren christologischen Bekenntnisse entfalten diese Gegebenheit und bringen sie in ihrer Tiefe zur Sprache. Wenn dann gesagt wird, Jesus sei wahrer Gott und in ihm sei Gott Mensch geworden, so darf der Bezugspunkt all dieser Aussagen nicht aus dem Blick geraten, nämlich Jesus, der Mensch, der Gott seinem Vater gehorsam war bis zum Tod am Kreuz (Phil 2,8) und der in diesem Gehorsam die Liebe bis zur Vollendung gelebt hat (Joh 13,1). Gerade weil Jesus in seinem Gehorsam und seiner Liebe ganz von sich weg auf Gott verweist, ist Gott selbst in ihm für uns da und liebt uns bis zur Vollendung. Daher ist Jesus die Offenbarung, in der Gott sich selbst ganz aussagt. Im Johannesevangelium kann es von Jesus heißen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9); und: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30). Diese Einheit Jesu mit Gott, seinem Vater, hebt die Unterscheidung, die vor allem im Gehorsam Jesu gegenüber dem Vater hervortritt, nicht auf, sondern setzt sie voraus und schließt sie ein. Dies nicht zu vergessen – darauf kann der Islam Christen aufmerksam machen.

 

 

 

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Entnommen aus der Arbeitshilfe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Christen und Muslime in Deutschland" vom 23. September 2003. 

 

 

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