Muslime in Deutschland: Teil I: Von der Wahrnehmung zur Begegnung

Glauben und Handeln – was verbindet, was unterscheidet Muslime und Christen? Das Grundprofil des christlichen Glaubensbekenntnisses:
Der Glaube an den einen Gott
(188) In der Begegnung mit Muslimen und ihrem Gottesverständnis werden Christen beeindruckt sein von der Entschiedenheit, mit der der Islam die Einzigkeit und Einheit Gottes, seine Allmacht, Allwirksamkeit und Gerechtigkeit, aber auch seine Güte und sein Erbarmen gegenüber den Menschen bekennt. Das Zweite Vatikanische Konzil hebt in der „Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ gerade diese Aspekte des islamischen Gottesverständnisses hervor und spricht mit Anerkennung von der entsprechenden Gottesverehrung:
„Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.“[1]
(189) Auch für die Christen – wie für die Juden – ist der Glaube an den einen Gott, den allmächtigen Schöpfer und Herrn der Welt, den gerechten Richter, der sich der Menschen erbarmt, grundlegend. Im Bekenntnis zu diesem Gott haben Christen und Muslime eine Basis, auf der ein gemeinsames Fragen nach dem Willen Gottes möglich ist.
(190) Dennoch bestehen – gerade auch im Gottesverständnis – Unterschiede und Differenzen. Sie zeigen sich darin, dass der Islam das trinitarische Gottesverständnis, die Menschwerdung des Sohnes Gottes in Jesus von Nazareth sowie die Erlösung der Menschen durch Jesus Christus entschieden ablehnt. In diesen christlichen Glaubenslehren wird ein Rückfall in Vielgötterei und eine Vergötzung von geschöpflicher Wirklichkeit gesehen. Der Islam betont dagegen, dass der eine Gott aller weltlichen Wirklichkeit absolut enthoben ist. Gott lässt den Menschen zwar seine Weisungen zukommen; er tut seinen Willen kund und lenkt in Güte und Gerechtigkeit die Geschicke der Menschen. Aber er teilt nicht sich selbst den Menschen mit, denn dies wäre mit seiner Transzendenz nicht vereinbar. Wenn Gott im islamischen Glauben der Allbarmherzige und Allgütige ist, so nimmt er nach vorherrschendem islamischem Verständnis die Menschen damit doch nicht in die Gemeinschaft mit sich auf. Gott erschließt nicht sich selbst und das Geheimnis seines Lebens, sondern er offenbart das Geheimnis seines Handelns im Hinblick auf die Schöpfung, besonders auf die Menschen.
[1] Vaticanum II, Nostra Aetate Nr. 3; vgl. auch Aspekte der Begegnung.
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Entnommen aus der Arbeitshilfe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Christen und Muslime in Deutschland" vom 23. September 2003.
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