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  Muslime in Deutschland: Teil I: Von der Wahrnehmung zur Begegnung

Glauben und Handeln – was verbindet, was unterscheidet Muslime und Christen? Islam als Glaube und Lebensordnung

 

Der Islam: Hingabe an Gott im Glauben

 

(99) Als Christen sind wir in der Begegnung mit den Muslimen aufgerufen, ihren Glauben in seinem Selbstverständnis kennen zu lernen um ihn so gut wie möglich zu verstehen und so auch unseren eigenen Glauben tiefer zu erfassen. Der Glaube und die Praxis der Muslime sind im Koran, in der Tradition des Propheten (Hadith), in der Rechtswissenschaft (fiqh) und der Theologie (kalam) formuliert und präzisiert worden. Der Koran selbst benennt die zu glaubenden Wahrheiten: Gott, die Engel, die Schriften, die Propheten und den Letzten Tag. Die Tradition fügt den Glauben an die Vorherbestimmung hinzu. Die üblichen Glaubensformeln fassen den islamischen Glauben oft in nur zwei Lehren zusammen: „Gott und der Letzte Tag“ zum einen und das kurze Glaubenszeugnis, die schahada, zum anderen. Sie lautet: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Gott und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Gottes ist.“ Dieses Glaubenszeugnis aufrichtig vor den vorgeschriebenen Zeugen abzulegen genügt, um offiziell Muslim zu werden.

 

(100) Gott ist der erste Inhalt des muslimischen Glaubens, und – richtig verstanden – sein einziger. Der Islam versteht sich mit anderen Worten als radikal theozentrisch. Die Ausrichtung des Menschen auf Gott findet Ausdruck in den Haltungen der Anbetung, der Hingabe an seinen Willen, der Achtung der „Rechte Gottes“. Der Muslim ist zuerst und vor allem ein Diener-Anbeter, ein ’abd. Das islamische Glaubensbekenntnis formuliert: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Gott“. Der Glaube zielt zunächst auf Gott selbst. Dann zielt er auch auf Muhammad („und ich bezeuge, dass Muhammad sein Gesandter ist.“), gesandt, den Koran, die authentische und letzte Offenbarung Gottes, zu überbringen.

 

(101) Die Muslime glauben auf die Selbstbezeugung Gottes in seinem Wort hin. Sie glauben, dass Gott ein einziger Gott ist, weil Gott dies im Koran sagt und weil der Koran für den Muslim das Wort Gottes ist. Selbst dann, wenn jemand – wie z. B. die theologische Richtung der muctaziliten im 9. Jahrhundert es getan hat – den Koran nicht als ungeschaffenes, sondern als geschaffenes Wort Gottes einstufen würde, bliebe es doch wahr, dass die Haltung des islamischen Glaubens die eines jeden echten monotheistischen Glaubens ist: an Gott glauben auf sein Wort hin, das er – dem Menschen vernehmlich – in die Welt, auf die Propheten „herabgesandt“ (tanzîl) hat. Wesentlich für den Muslim ist der Gehorsam im Glauben, d. h., die Übereinstimmung des Handelns des Menschen mit dem Willen Gottes. Dies ist genau al-islam: der Akt der totalen Hingabe an den einen Gott und seinen geoffenbarten Willen. Das Wort Muslim, abgeleitet von derselben Wortwurzel „s l m“ wie „,Islam“ – bezeichnet denjenigen, „der sich Gott völlig ergeben hat bzw. ergibt“.

 

 

 

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Entnommen aus der Arbeitshilfe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Christen und Muslime in Deutschland" vom 23. September 2003. 

 

 

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