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  Christen und Muslime in Deutschland: Teil I: Von der Wahrnehmung zur Begegnung

Den Islam in Deutschland wahrnehmen: Die wichtigsten islamischen Organisationen

 

Der arabisch geprägte Islam

 

(47) Der arabisch geprägte Islam in Deutschland ist größtenteils sunnitisch. Sämtliche vier sunnitischen Rechtsschulen sind vertreten. Er hat sich in vergleichsweise geringem Umfang bereits vor dem Beginn der Arbeitsmigration zu entfalten begonnen. Seine bis heute führenden Institutionen gehen auf Initiativen arabischer Akademiker zurück. 1960 war zunächst unter Beteiligung der Geistlichen Verwaltung der Muslimflüchtlinge in München die Moscheebau-Kommission gegründet worden, die sich 1963 zur Islamischen Gemeinschaft in Süddeutschland erweitert und 1982 in Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) umbenannt hat. 1967 ging aus der Moscheebaukommission das Islamische Zentrum München (IZM) hervor. Es entstanden weitere arabisch geprägte Islamische Zentren in Frankfurt, Nürnberg, Marburg und Stuttgart, die als Zweigstellen zur IGD gehören. Das IZM allein gibt drei islamische Periodika heraus[1] und betreibt in München einen islamischen Kindergarten und eine islamische Schule. Vorsitzender der IGD ist Ibrahim El-Zayat.

 

(48) 1964 wurde in Aachen die Bilal-Moschee gebaut. Sie erhielt 1978 einen Trägerverein mit dem Namen Islamisches Zentrum Aachen – Bilal-Moschee (IZA). Dieser gleichfalls arabisch geprägte Trägerverein hat sich nicht der IGD angeschlossen. Er arbeitet aber mit ihr in einem Dachverband zusammen, dem beide Vereine angehören.[2] Langjähriges Vorstands- und derzeitiges Beiratsmitglied des IZA ist der aus Saudi-Arabien stammende Mediziner Nadeem Elyas.

 

(49) Für die IGD wie für das IZA gilt, dass sie in religiöser und politischer Hinsicht den Nachfolgeorganisationen der islamistischen Muslimbruderschaft nahe stehen. Beide Organisationen gehören deshalb zu den vom Verfassungsschutz beobachteten islamischen Organisationen. Die IGD und das ihr verbundene IZM werden dem ägyptischen Zweig der Muslimbruderschaft zugerechnet, das IZA hingegen ihrem syrischen. Gemeinsam kommen die Muslimbrüder in Deutschland nach Angaben der Bundesregierung auf ca. 1.200 Mitglieder.

 

(50) Die Muslimbruderschaft wurde 1928 von Hasan al-Banna (1906-1949) in Kairo gegründet. Vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Lage Ägyptens in der Endphase des Kolonialismus propagierte al-Banna die Rückbesinnung auf den Islam und verknüpfte damit die Verheißung eines politischen Wiederaufstiegs der islamischen Welt. Der wichtigste Theoretiker unter seinen geistigen Nachfolgern, Sayyid Qutb (1906–1966), schuf neben dem Pakistaner Abu l-Acla Maududi (gest. 1979) und Ayatollah Khomeini die geistigen Grundlagen des heutigen Islamismus, verstanden als politische Bestrebung, den Islam und das islamische Recht in seiner angeblich ursprünglichen und reinen Form zur ausschließlichen Grundlage aller staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung zu machen.

 

(51) Die ägyptische Muslimbruderschaft wurde 1954 aufgelöst und noch im gleichen Jahr gewaltsam zerschlagen. Qutb wurde 1966 hingerichtet, zahlreiche Anhänger kamen in Haft. Ähnliches gilt für die Muslimbrüder in Syrien, wo es in den 70er Jahren zu besondersblutigen Auseinandersetzungen mit dem Regime der Baath-Partei kam. Nachfolgeorganisationen der Muslimbrüder existieren heute in Ägypten wie in anderen arabischen Staaten in einer Art Schwebezustand zwischen Legalität und Repression. Für die meisten von ihnen gilt, dass sie der Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele abgeschworen haben.

 

[1] Es handelt sich um „Al-Islam“, „Al-Islam aktuell“ und „Du und der Islam“.

[2] Vgl. Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland/Islamischer Weltkongress und der Zentralrat der Muslime in Deutschland

 

 

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Entnommen aus der Arbeitshilfe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Christen und Muslime in Deutschland" vom 23. September 2003. 

 

 

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