Christen und Muslime in Deutschland: Teil I: Von der Wahrnehmung zur Begegnung

Den Islam in Deutschland wahrnehmen: Die Entwicklung der islamischen Präsenz
Zum Profil der islamischen Präsenz nach Herkunftsländern
(4) Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hat sich dieses Bild entscheidend gewandelt. Angesichts eines ökonomisch begründeten Bedarfes an zusätzlichen Arbeitskräften hatte Ende der 50er Jahre eine intensive Arbeitsmigration eingesetzt. Unter den zuwandernden Arbeitskräften waren infolge der Anwerbeverträge mit der Türkei (1961), Marokko (1963) und Tunesien (1965) zahlreiche Muslime. Nun entwickelte sich in Deutschland erstmals und dynamisch wachsend eine islamische Präsenz in größerem Umfang. Der mit Abstand größte Teil der Arbeitsmigranten kam aus der Türkei. Heute bilden Muslime türkischer Herkunft daher mit mindestens 2,5 Millionen die weit überwiegende Mehrheit innerhalb der islamischen Bevölkerung in Deutschland.[1]
(5) Die Arbeitsmigration stellt die entscheidende Ursache der heutigen islamischen Präsenz dar. Hinzu kommen aber auch andere Faktoren. Die Zuspitzung von Konflikten in vielen Ländern der Welt, insbesondere im Nahen Osten, in Afrika, Asien und auch in Südosteuropa, hat eine Zuwanderung von Muslimen auch aus politischen Gründen gefördert. So sind aus der Türkei neben Arbeitsmigranten auch Asylsuchende gekommen. Dies gilt für die Jahre nach dem Militärputsch von 1980 und noch mehr im Hinblick auf den türkisch-kurdischen Konflikt, der zeitweise bürgerkriegsähnliche Ausmaße erreichte. Die derzeit rund 180.000 Bosnier in Deutschland, überwiegend Muslime, sind zumeist Bürgerkriegsflüchtlinge. Unter den rund 125.000 Iranern sind viele, die nach dem Sieg der islamischen Revolution vom Februar 1979 in Deutschland Zuflucht gefunden haben.
(6) Heute leben ca. 3,3 Mio. Muslime in Deutschland. Dies sind doppelt so viele wie 1987, als die Volkszählung die Zahl von 1,65 Mio. erbrachte. Eine ähnlich dynamisch wachsende islamische Präsenz ist auch in unseren westlichen Nachbarländern zu beobachten. In Frankreich ist sie vorwiegend nordafrikanischen, in Großbritannien vorwiegend indopakistanischen Ursprungs; in beiden Fällen ist sie das Ergebnis von Einwanderungsbewegungen aus ehemals von diesen Staaten kolonisierten Ländern.
(7) Wenngleich rund 75 % der Muslime in Deutschland aus nur einem Herkunftsland – der Türkei – stammen, darf darüber nicht übersehen werden, dass dennoch der gesamte Weltislam vertreten ist. Abgesehen von den Nachfolgestaaten Jugoslawiens kommen die Muslime auch aus Iran, Marokko, Afghanistan, Libanon, Irak und Pakistan, um nur die wichtigsten weiteren Herkunftsländer zu nennen.
[1] Für statistische Angaben über Muslime in Deutschland vgl.: Antwort der Bundesregierung: Islam in Deutschland, Deutscher Bundestag, 14. Wahlperiode, Drucksache 14/4530, 8. November 2000. Mit Ausnahme der Volkszählung von 1987 wurden Daten bislang nur nach Staatsangehörigkeit erhoben. Aktuelle Zahlen zur Religionszugehörigkeit können daher nur indirekt erschlossen werden, d. h. sämtliche Angaben beruhen auf begründeten Schätzungen
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Entnommen aus der Arbeitshilfe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Christen und Muslime in Deutschland" vom 23. September 2003.
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