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  Muslime in Deutschland: Teil I: Von der Wahrnehmung zur Begegnung

Den Islam in Deutschland wahrnehmen: Die Entwicklung der islamischen Präsenz

 

Früheste Zeugnisse islamischen Lebens

 

(1) Trotz mannigfaltiger Kontakte zwischen den Ländern West und Mitteleuropas und der islamischen Welt, die sich Jahrhunderte lang in Spanien, auf Sizilien und später in Südosteuropa auf militärischer, politischer und kultureller Ebene begegneten, sind die Zeugnisse islamischen Lebens in Deutschland bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts spärlich. An die ersten Muslime, die in Deutschland gelebt haben und hier verstorben sind, erinnern Grabsteine aus dem späten 17. Jahrhundert in Brake bei Lemgo und in Hannover. Sie waren Kriegsgefangene aus dem osmanischen Reich gewesen oder sonst im Zusammenhang mit den Türkenkriegen nach Deutschland gekommen.[1]

 

(2) Der erste bis heute erhaltene islamische Friedhof entstand im Jahre 1866, als eine Umbettung der sterblichen Überreste von fünf osmanischen Diplomaten notwendig wurde, die seit 1798 in Berlin ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten. Die Moscheestraße in Berlin-Wünsdorf erinnert an eine Holzmoschee, die 1915 für Kriegsgefangene muslimischen Glaubens aus den alliierten Streitkräften des Ersten Weltkrieges dort errichtet worden war. Die erste bis heute erhalten gebliebene, größere Moschee mit zwei Minaretten wurde 1925 in Berlin-Wilmersdorf eröffnet. Als Träger fungierten Angehörige der Ahmadiya, eine im heutigen Pakistan beheimatete islamische Sondergruppe.[2] Das islamische Vereinsleben, das sich unter den schätzungsweise 1.800 Muslimen aus rund 40 Nationen – Exilanten, Flüchtlinge, Intellektuelle – in Berlin und Umgebung entwickelte, hat den Zweiten Weltkrieg nicht überdauert. Nach dem Krieg nahm die Ahmadiya ihre Aktivitäten in Deutschland wieder auf. Für ehemalige Wehrmachtsangehörige muslimischen Glaubens wurde 1958 in München der eingetragene Verein „Geistliche Verwaltung der Muslimflüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland“ gegründet.

 

(3) Diese wenigen Aktivitäten rechtfertigen es bis zum Ende der 50er Jahre kaum, von einer wirklichen islamischen Präsenz in Deutschland zu sprechen.[3] Sie war bis zum weltweiten Wandel der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse nach 1945 lediglich Folge der besonderen Umstände und Erfordernisse im Kontext der militärischen, der diplomatischen, der Handels- und allenfalls noch der kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen der islamischen und der nichtislamischen Welt.

 

[1] Vgl. Lemmen, Thomas: Muslime in Deutschland. Eine Herausforderung für Kirche und Gesellschaft, Baden-Baden, 2001, hier S. 17 f.

[2] Vgl. Islamische Sondergruppen

[3] Insbesondere entbehrt die oft zu lesende Darstellung jeder Grundlage, bereits 1731 oder 1739 sei es in Preußen zu einer islamischen Gemeindegründung gekommen. Für diese „Erfindung von Tradition“ gibt es keinerlei historischen, sondern lediglich einen literarischen „Beleg“, nämlich Jochen Kleppers Roman „Der Vater“, vgl. Wohlrab-Sahr, Monika: Konversion zum Islam in Deutschland und den USA, Frankfurt/Main; New York; Campus Verlag, 1999, SS. 29-33.

 

 

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Entnommen aus der Arbeitshilfe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Christen und Muslime in Deutschland" vom 23. September 2003. 

 

 

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