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  Muslime in Deutschland: Teil II: Einzelfragen

Feiertage im Islam

 

 

(418) Der islamische Kalender basiert auf der muslimischen Zeitrechnung. Diese beginnt mit dem Anfang desjenigen Mondjahres, in dem die Auswanderung Muhammads aus Mekka (Hidschra) im Jahre 622 stattgefunden hat. Gerechnet wird weiterhin nach dem Mondkalender. Er hat eine siebentägige Woche und zwölf Monate. Dem Mondkalender folgende Jahre sind um etwa zehn Tage kürzer als die des Sonnenkalenders. Dies hat zur Folge, dass islamische Feiertage im christlichen Kalender um diesen Zeitraum gewissermaßen nach vorne wandern.

 

(419) Religiös gesehen haben der Fastenmonat Ramadan, der Dhu al-Hidschdscha, in dem die obligatorischen Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch) stattfindet, und der Monat Muharram, der Trauermonat der Schiiten, eine herausgehobene Bedeutung. Der Freitag ist „der Tag der Versammlung“, der Tag des gesetzlich vorgeschriebenen gemeinsamen Gebets. Vom islamischen Gesetz her ist kein wöchentlicher Feier- oder Ruhetag vorgesehen, jedoch gilt in vielen mehrheitlich muslimisch Ländern der Freitag als Feiertag, an dem ebenso wie zu den kanonischen Feiertagen nicht gearbeitet wird. In den meisten Ländern der islamischen Welt wird heutzutage im Alltag nach dem christlichen Kalender gerechnet.

 

(420) Am 10. Dhu l-Hidschdscha findet weltweit das „Opferfest“ (cId al-adha) statt. In den arabischen Ländern wird es „das große Fest“ genannt. Es stellt einen Teil der vorgeschriebenen Pilgerfahrtsriten dar und besteht in der Schlachtung eines Tieres, in der Regel eines Schafes. Es soll die Gläubigen an Abrahams Bereitschaft zur Opferung seines Sohnes und an die Schlachtung eines Hammels an dessen Stelle erinnern.

 

(421) Das „Fest des Fastenbrechens“ (cId al-fitr) beginnt am 1. des Monats Schawwal, also am ersten Tag des auf den Fastenmonat Ramadan folgenden Monats. Es dauert drei bis vier Tage. Der volkstümliche Name für dieses Fest bei den Türken ist Zuckerfest (scheker bayrami) in Anspielung auf die dabei traditionell an die Kinder verschenkten Süßigkeiten. Die drei Festtage werden gerne zu Besuchen in der Familie und im Bekanntenkreis benutzt.

 

(422) Aschura, der 10. Tag des ersten Monats im islamischen Kalender, Muharram, wurde den Muslimen ursprünglich in Anlehnung an den jüdischen Yom Kippur empfohlen. Nachdem dann der Fastenmonat Ramadan eingeführt wurde, ist das Fasten am Aschura-Tag freiwillig. Den Schiiten gilt der gesamte Muharram, besonders aber dessen 10. Tag, als Trauerzeit. In Trauerfeiern gedenken sie des Todes von Husain im Jahre 680 bei Kerbala, der nach ihrem Verständnis ein Martyrium war. Zu diesen Feierlichkeiten gehören die Versammlungen der Gläubigen während der ersten 10 Tage des Muharram. Auf ihnen wird von Predigern die Leidensgeschichte des Prophetenenkels in Form von Elegien rezitiert. In neuerer Zeit ist die Aschura Symbolik von Schiiten sozial revolutionär ausgelegt und umgesetzt worden. Am 12. Tag des islamischen Monats Rabî I wird seit einigen Jahrhunderten die Feier des Geburtstags (arab. maulid) des Propheten öffentlich gefeiert und dies ist in vielen islamischen Ländern heute ein offizieller Feiertag. Im Mittelpunkt der Feiern steht die Rezitation eines ausführlichen, langen Gedichts über Muhammad. Vertreter des Reformislam, nicht zuletzt die Wahhabiten, lehnen diese Feiern als Neuerung ab.

 

(423) Seit einigen Jahren senden der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog sowie der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz wie auch der Vorsitzende des Rates der EKD anlässlich des Festes des Fastenbrechens Grüße an die Muslime. In der Botschaft des Päpstlichen Rates zum Ramadan 1417/1997 z. B. hieß es: „Der Austausch von Wünschen bietet den Christen die Gelegenheit, ihre muslimischen Freunde zu besuchen, was erlaubt, schon bestehende Freundschaften zu verstärken und neue zu schließen. Diese jährliche Botschaft ist so wie eine Brücke, die zwischen Christen und Muslimen gebaut wird und die nie aufhört, sich zu verbreitern und zu festigen. Wir danken dafür Gott und bitten ihn, dass die Beziehungen zwischen Muslimen und Christen sich weiter verstärken. Es ist der Glaube, die vertrauensvolle und gehorsame Unterwerfung unter Gott, der Euch während dieses Monats Ramadan gedrängt hat zu fasten. Muslime und Christen, wir bezeichnen uns als ‚Gläubige‘, und wir sehen zusammen mit den Juden in Abraham ein Vorbild für unseren Glauben.“

 

(424) Verschiedene muslimische Dachorganisationen in Deutschland haben daraufhin damit begonnen, anlässlich des Weihnachtsfestes und Jahresbeginns ihrerseits Grußbotschaften an die Christen zu senden. Einzelne Christen, aber mehr und mehr auch christliche Gemeinden und Institutionen, in denen Christen und Muslime gemeinsam leben und arbeiten, nehmen mittlerweile die Gelegenheiten wahr, anlässlich des Festes des Fastenbrechens die muslimischen Nachbarn zu besuchen und Formen des gemeinsamen Feierns zu entwickeln. An einigen Orten haben christliche Gemeinschaften oder Institutionen die muslimischen Nachbarn an einem Abend des Fastenmonats zum Fastenbrechen und zur Begegnung eingeladen. Diese Geste ist allerseits freudig begrüßt worden und auf muslimischer Seite erwidert worden.

 

 

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Entnommen aus der Arbeitshilfe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Christen und Muslime in Deutschland" vom 23. September 2003. 

 

 

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