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  Muslime in Deutschland: Teil I: Von der Wahrnehmung zur Begegnung

Christen und Muslime in unserer Gesellschaft: Islamische Präsenz – eine Herausforderung für die Kirche

 

 

Islam als Gegenstand des katholischen Religionsunterrichts

 

(301) Die meisten Schülerinnen und Schüler begegnen heute in ihrer Umwelt dem Islam. Er bleibt jedoch für viele Kinder und Jugendliche eine fremde Religion. Diese Fremdheit ruft oftmals Interesse hervor, gelegentlich aber auch Ablehnung. Aufgabe der Schule ist es, Schülerinnen und Schüler mit religiöser Pluralität vertraut zu machen, ihnen religiöse Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erklären und sie zu befähigen, einen eigenen Standpunkt zu religiösen und moralischen Fragen zu entwickeln. Hierzu leistet der Religionsunterricht einen wichtigen Beitrag.

 

(302) Der katholische Religionsunterricht wird von einem Bildungsbegriff geleitet, der Allgemeinbildung als „Fähigkeit zu Kommunikation und solidarischer Partizipation auch über den eigenen Kulturkreis hinaus“ versteht.[1] Die Beschäftigung mit anderen Religionen und Weltanschauungen – insbesondere mit dem Islam – ist fester Bestandteil dieses Faches. Damit trägt der katholische Religionsunterricht wirksam zu einem toleranten und verständnisvollen Miteinander von Christen und Muslimen in der Schule und in unserer Gesellschaft bei.

 

(303) Im Religionsunterricht der Grundschule werden die Kinder mit Festen und religiösen Praktiken des Islam bekannt gemacht. Diese Kenntnisse helfen ihnen, das religiös motivierte Verhalten ihrer muslimischen Mitschülerinnen und Mitschüler besser zu verstehen und ihnen mit Verständnis zu begegnen.

 

(304) In der Sekundarstufe I gehört der Islam neben den anderen Weltreligionen zu den Pflichtthemen. Inhaltlich werden die zentralen Glaubenslehren des Islam, die religiösen Grundpflichten und elementare Rechtsvorschriften sowie Grundzüge islamischer Geschichte vermittelt. Dabei wird großer Wert auf ein authentisches Bild des Islam gelegt, in dem Muslime ihre Religion wieder erkennen können. Ziel der unterrichtlichen Behandlung des Islam in dieser Schulstufe ist es, sowohl Kenntnisse zu vermitteln, als auch Toleranz und Verständnis für Muslime bei den katholischen Schülerinnen und Schülern zu wecken. Neben der Vermittlung von Sachkenntnissen treten deshalb auch emotionale Lernimpulse, die zur Wahrnehmung und Überprüfung von Vorurteilen und schließlich zur Verhaltensänderung beitragen. Zur Unterrichtseinheit „Islam“ gehört – wo es möglich ist – auch die Einladung muslimischer Schülerinnen und Schüler in den Religionsunterricht, der Besuch einer Moschee und die Begegnung mit erwachsenen Muslimen, die in ihrer Religion auskunftsfähig sind. Angesichts der Diskussionen um die Schlagworte „Fundamentalismus“ bzw. „Islamismus“ in Politik und Öffentlichkeit trägt der Religionsunterricht wesentlich dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, zwischen den religiösen Lehren und ethischen Werten des Islam und seiner politischen Instrumentalisierung zu unterscheiden.

 

(305) In der gymnasialen Oberstufe erfolgt die Auseinandersetzung mit dem Islam vor allem unter theologischen Gesichtspunkten. Die Schülerinnen und Schüler sollen fähig werden, auch mit Muslimen einen sinn- und gehaltvollen Dialog über religiöse und moralische Probleme zu führen. Voraussetzung dafür sind ein gesicherter Standpunkt und eine gelebte Beheimatung in der katholischen Kirche und Kenntnisse der anderen Religion, die Fähigkeit, religiöse und moralische Fragen aus der Perspektive der anderen zu betrachten und den eigenen Standpunkt argumentativ zu begründen.[2] Übereinstimmungen und Kontroverspunkte – etwa die Anfragen des Koran an die Christologie – werden deshalb in die Darlegung der katholischen Glaubenslehre einbezogen. Die entsprechenden kirchlichen Verlautbarungen geben hier Orientierung.[3]

 

(306) Auch in der Berufsschule gehört die Beschäftigung mit dem Islam zum Pflichtbereich. „Junge Menschen treffen in unserer Gesellschaft auf Angehörige anderer Religionen, mit denen sie Seite an Seite Arbeitsaufträge zu erledigen haben. Es gehört zum Bildungsauftrag der Berufsschule, sie auf solche Begegnungen vorzubereiten. Die von Hochachtung getragene Auseinandersetzung mit fremden Glaubensvorstellungen bringt auch Klärung und Vertiefung der eigenen mit sich.“[4] Damit fördert der katholische Religionsunterricht an Berufsschulen das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit von Christen und Muslimen am Arbeitsplatz.

 

[1] Die bildende Kraft des Religionsunterrichts. Zur Konfessionalität des katholischen Religionsunterrichts (Die deutschen Bischöfe Nr. 56), hg. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 1996, S. 44.

[2] Vgl. Grundlagenplan für den katholischen Religionsunterricht in der Sekundarstufe II / gymnasiale Oberstufe, hg. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2003, Kap. 4.

[3] Vgl. neben der Erklärung Nostra Aetate des II* Vatikanums vor allem: Päpstlicher Rat für den interreligiösen Dialog / Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Dialog und Verkündigung (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 102), hg. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 1991.

[4] Grundlagenplan für den katholischen Religionsunterricht an Berufsschulen, hg. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2002, S. 37.
 

 

 

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Entnommen aus der Arbeitshilfe des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Christen und Muslime in Deutschland" vom 23. September 2003. 

 

 

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