Katholiken: Debatte über Moscheebauten nicht überfrachten

Bonn 2.12.2009 (KNA) Nach der Abstimmung über Minarette in der Schweiz hat der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Alois Glück, zu einem stärkeren Dialog zwischen Christen und Muslimen aufgerufen. Es gebe bei allen Beteiligten Ängste, sagte Glück am Dienstag im Deutschlandfunk. So wie Teile der einheimischen Bevölkerung Überfremdung und Identitätsverlust fürchteten, hätten auch die Zuwanderer Angst, ihre eigene kulturelle Identität aufgeben zu müssen. Glück sprach sich für mehr Sensibilität beim Bau von Moscheen aus; dies bedeute aber keinen Verzicht auf Minarette. Die Religionen bräuchten gesicherte Freiräume in der Öffentlichkeit; der Bau von
Moscheen sei Ausdruck der Religionsfreiheit. Die islamischen Gotteshäuser sollten sich jedoch im Baustil ihrer jeweiligen Umgebung anpassen und kein Dominanzstreben dokumentieren. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse warnte in der „Frankfurter Rundschau“ (Dienstag) vor falschen Rückschlüssen aus der aktuellen Debatte. Er sehe die Gefahr, „dass die Fernwahrnehmung des Islam überdeckt, was wir an positiver nachbarschaftlicher Erfahrung mit islamischen Bürgern
haben“, so Thierse, der auch ZdK-Mitglied ist.
Der SPD-Politiker äußerte zugleich Verständnis für die Kritik von Muslimen an dem Ausgang der Volksbefragung. Es sei aber wünschenswert, „dass Muslime ebenso heftig protestieren gegen den eklatanten Mangel an Religionsfreiheit in islamischen Ländern“. Der Schweizer Nationalrat Lukas Reimann forderte von der internationalen Gemeinschaft Respekt für das Schweizer Votum. Die direkte Demokratie sei nicht „irgendein Theater“, sagte der Mitinitiator des Volksbegehrens und Abgeordnete der Schweizer Volkspartei im Deutschlandfunk. In Deutschland gäbe es eine ähnliche hohe Zustimmung für ein Minarettverbot. Die Initiatoren hätten mit der Volksabstimmung „ein Zeichen gegen islamische Machtsymbole, aber
für ein friedliches Miteinander, für die Menschenrechte, für die Grundrechte“ setzen wollen. Alle Bewohner der Schweiz, auch die Einwanderer, müssten sich an bestimmte Regeln des Zusammenlebens halten.

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