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  Lehmann greift Religionspolitik der Türkei scharf an



Karl Kardinal Lehmann

Berlin (KNA) Kardinal Karl Lehmann hat die Religionspolitik der Türkei scharf angegriffen und als in Teilen europauntauglich bezeichnet. Zugleich bekräftigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einem Interview des Politikmagazins „Cicero“ (Januar) das kirchliche Anliegen, im südtürkischen Tarsus eine Kirche zu bauen. Die antike Hafenstadt ist der Geburtsort des Apostels Paulus, zu dessen Ehren Papst Benedikt XVI. für 2008 ein internationales „Paulus-Jahr“ ausgerufen hat. Die Idee einer Pilgerkirche geht auf den Kölner Kardinal Joachim Meisner zurück. Nach den Worten Lehmanns kann von einem Grundrecht auf freie Religionsausübung für Christen in islamisch geprägten Ländern bis heute kaum die Rede sein. Dies gelte auch für die Türkei, die in die EU wolle. Zwar bezeichne sich der Staat als „laizistisch“. Tatsächlich werde der Islam aber durch eine große Behörde mit rund 100.000 staatlich besoldeten Mitarbeitern verwaltet und kontrolliert. Die Türkei gebe religiösen Aktivitäten außerhalb dieses Rahmens keinen Freiraum, sondern toleriere sie lediglich. Dabei geht laut Lehmann das Maß an Duldung christlicher Aktivitäten derzeit eher zurück, als dass es sich auf die in Europa gültigen Standards hin entwickle. Das Anliegen der Kirchen, ihnen einen eigenen Rechtsstatus zu geben, werde bislang nicht ernst genommen. Christliche Gemeinden dürften in der Türkei bis heute kein Grundstück erwerben, um darauf eine Kirche zu bauen, „weil sie in rechtlicher Hinsicht nicht existieren“. Mit Blick auf die Diskussionen über Moscheebauten in Deutschland betonte der Kardinal die Religionsfreiheit. Muslime hätten das Recht, würdige Moscheen dort zu bauen, wo sie leben. Bei der Gewähr von Grundrechten wie Religionsfreiheit müsse es auf Dauer aber eine Gegenseitigkeit in den islamischen Ländern geben. „Von mir aus könnte man sogar in Rom eine Moschee bauen, die höher ist als der Petersdom. Aber ich möchte dann im Gegenzug auch nicht verhaftet werden, wenn ich in Saudi-Arabien eine Messe lese“, so Lehmann. (KNA - 15028)

 

Lesen Sie das Interview auf den Seiten von CICERO hier.


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