Papst Benedikt XVI. im Heiligen Land

Neuanfang im christlich-islamischen Dialog. Papst besucht in Jordanien zum zweiten Mal eine Moschee
Von Johannes Schidelko (KNA)
Amman (KNA) Zweieinhalb Jahre lang und auf vielen Ebenen haben Papst und Vatikan seit dem „Regensburger Vortrag die christlich-islamischen Verstimmungen auszuräumen versucht. Der Besuch in Jordanien gab Benedikt XVI. nun Gelegenheit zu einer offiziellen Antwort an die Muslim- Vertreter, die nach jenem interreligiösen Zerwürfnis einen neuen Dialog anstießen. Mit seinem zweiten Besuch in einer Moschee und einer Rede vor muslimischen Religionsführern und Diplomaten bestätigte und beschwor Benedikt XVI. am Samstag diesen Neuanfang. In einer eindringlichen Ansprache rief der Papst in der erst 2006 fertiggestellten König-Hussein- Moschee von Amman Christen und Muslime zu gegenseitigem Respekt und Verständnis auf.
Gemeinsam müssten sie sich um alles bemühen, was gerecht und wahr sei. Außerdem sollten sie für Menschenwürde und für die gleichen Rechte von Mann und Frau eintreten, unabhängig von Religion, sozialer und ethnischer Zugehörigkeit. Ausdrücklich dankte er Jordanien und Prinz Ghazi bin Muhammad bin Talal für ihr Engagement um christlich-islamisches Einvernehmen. Ghazi, ein Cousin von König Abdullah II., hieß den Papst überaus freundlich willkommen. Er begrüßte ihn als Weltführer in Sachen Ethik, Frieden und Menschenrechte. Es sei eine Geste des Wohlwollens, dass der Papst Jordanien besuche. Er erwarte sich von der Reise eine „deutliche Botschaft für interreligiöse Harmonie und gegenseitigen Respekt in der heutigen Welt“. Zudem dankte Ghazi dem Papst für seine „vielen freundlichen Gesten gegenüber dem Islam“ und Muslim-Führern. „Es gibt ein großes und weites Feld, wo wir zur Verteidigung und Förderung der moralischen Werte zusammenarbeiten
können, die unser gemeinsames Erbe sind“.
Ghazi ging aber auch auf den Stein des Anstoßes ein: Er müsse dem Papst „danken für das Bedauern“ über den Regensburger Vortrag, der die Muslime verletzt habe. Ihm sei klar, dass es sich damals nicht um die persönliche Meinung des Papstes, sondern um die Zitation eines akademischen Disputs gehandelt habe, hob der Prinz hervor. Benedikt XVI. ging nicht direkt auf seine Ansprache in Regensburg ein. Aber er griff sein damaliges Thema von Glaube und Vernunft auf, das in der Debatte um das historische Zitat anschließend untergegangen war. Der Papst mahnte, die Möglichkeiten der Vernunft fruchtbar zu machen. Sie sei eine Gabe Gottes. Ein angemessenes Verhältnis von Glaube und Vernunft enge die Erkenntnis nicht ein, sondern weite den Horizont und bewahre die Gesellschaft vor einem ungezügelten Egoismus, der die Endlichkeit verabsolutiere und das Unendliche ausblende. Für Aufsehen sorgte unter arabischen Journalisten zunächst die Tatsache, dass Benedikt XVI. - und auch Prinz Ghazi - beim vorangegangenen Besuch der Moschee nicht die Schuhe auszogen. Der Papst sei dazu bereit gewesen, aber das Protokoll habe dazu keine Möglichkeit gelassen, erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Zudem sei der Rundgang zusätzlich abgedeckt gewesen. Hohe Islam-Vertreter stellten klar, dass das Abstreifen der Schuhe beim Betreten der Moschee keine Pflicht sei.
Begonnen hatte der zweite Besuchstag des Papstes im Heiligen Land mit einer klassischen Pilgeretappe. Auf dem Moses-Berg Nebo westlich von Amman schaute Benedikt XVI. hoch über dem Jordan-Graben auf das Gelobte Land. Wegen des diesigen Wetters reichte der Blick allerdings gerade bis zum Toten Meer und zum 20 Kilometer entfernten Jericho. Jerusalem und Bethlehem blieben im Dunst verborgen. Vor diesem atemberaubenden Szenario schweifte der Papst in seiner spirituellen
Rede zu Moses, der von hier aus ins Gelobte Land schaute, und zu Johannes dem Täufer, der hier in der Nähe Jesus taufte. Im Jordantal hätten sich wichtige Momente der Heilsgeschichte ereignet.
Hierher seien viele Generationen von Pilgern gekommen, um für das Geschenk des Glaubens zu danken, der Sprache, Rasse und Kultur überschreite. Ausdrücklich bekräftigte Benedikt auf dem Moses-Berg das „untrennbare Band“, das die Kirche mit dem jüdischen Volk verbinde. Man müsse „jedes Hindernis überwinden, das einer Aussöhnung von Christen und Juden im Wege steht“, betonte der Papst. Ab Montag wird er noch unmittelbarer darauf eingehen, wenn er nach Jerusalem weiterreist. Vom Nebo aus war die Heilige Stadt für ihn noch im Dunst verborgen.

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