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  „Zum christlich-islamischen Dialog keine Alternative“



Altbischof Dr. Franz Kamphaus

Altbischof Dr. Franz Kamphaus plädiert für mehr Begegnungen im Alltag

 

Zum christlich-islamischen Dialog in Deutschland mit über 3,4 Millionen Muslime gibt es nach Überzeugung des ehemaligen Bischofs von Limburg, Dr. Franz Kamphaus, keine Alternative. In einer Vortragsveranstaltung am 29. Oktober im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium in Koblenz plädierte er besonders für noch mehr und häufigere Begegnungen von Christen und Muslimen im Alltag. „Sich einigeln ist eine schlechte Taktik. Angst voreinander überwindet man am besten, indem man miteinander spricht“, betonte er.

 

Ausdrücklich hob Kamphaus die Bedeutung des jüngsten Offenen Briefes von 138 muslimischen Religionsgelehrten aus aller Welt an christliche Führer, darunter den Papst, hervor. Der Dialog-Brief aus der islamischen Welt, in dem das gemeinsame Gebot der Gottesliebe bekräftigt wird, sei bemerkenswert. Erstmals sei eine so große Zahl unterschiedlicher Religionsgelehrter in einem Text vereinigt. „Aber“, so fragte der Bischof, „wie wird dieses Kerngebot der beiden Religionen in der Lebenswelt einer Gesellschaft, in der wir leben, konkret umgesetzt?“ In seinem Vortrag ging Kamphaus auf die Frage des Verhältnisses von Religion und Staat, der Menschenrechte, der Toleranz, des Gewaltverzichts und der Bereitschaft zum Frieden ebenso ein, wie auf die Frage, inwieweit im Islam eine historisch-kritische Betrachtung des Korans möglich ist. Das Christentum habe einen langen Weg zurück gelegt, bis die historisch-kritische Analyse der Heiligen Schrift akzeptiert worden sei. Muslime, die das Wagnis der historisch-kritischen Methode nicht scheuen, seien zur Zeit in der Minderheit.

 

Eine wichtige Rolle im christlich-islamischen Dialog spielt nach Aussage von Kamphaus die Frage des Verhältnisses von Religion und Staat. Die Trennung von Staat und Kirche sei ein wesentliches Kennzeichen der westlichen Moderne. Die wechselseitige Begrenzung von Staat und Religion diene vor allem dem friedlichen Zusammenleben der Menschen auf beiden Seiten. Allen fundamentalistischen Richtungen der Religionen sei dagegen die Ablehnung des modernen religionsneutralen Staates gemeinsam. Hier seien die Religionen herausgefordert. „Ist das Konzept eines islamischen Staates für den Islam verzichtbar?“, fragte Kamphaus. Und weiter: „Sind die Menschenrechte in das islamische Rechtsverständnis integrierbar?“ Die Anerkennung der Menschenrechte gehöre zu den Grundbedingungen religiöser und staatlicher Existenz in der Moderne. „Die Achtung der Menschenrechte bedeutet Gehorsam gegenüber Gott“, stellte der Bischof klar. Schlimm sei es, wenn Menschenrechte verletzt würden, um vorgeblich Menschnrechte durchzusetzen. Kamphaus wies dabei auf die Missachtung der Menschenrechte im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba hin.

 

Als neuralgische Punkte im Dialog mit dem Islam bezeichnete Kamphaus auch die Religionsfreiheit und die Gewalt im Namen der Religion. Bei der Religionsfreiheit gehe es nicht um Toleranz, sondern um ein Recht des Menschen. Die Stellung zur Gewalt sei zur „Gretchenfrage aller Religionen“ geworden. Der Glaube dürfe mit Gewalt weder erzwungen noch verteidigt werden. Aufgabe der Religion sei nicht so sehr die politische Aktion, sondern den Menschen zu helfen, einen inneren Frieden finden. Dieser geistliche Weg der Friedensarbeit führe zu einer Friedfertigkeit des Denkens und Handelns. „Das ist die vorrangige Aufgabe der Religion und zugleich die Nagelprobe für ihre Friedensfähigkeit“, betonte Kamphaus.

 

Der Vortrag erscheint demnächst in der FAZ. Die redaktionelle Fassung lesen Sie hier.


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