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  Islamkonferenz: Runder Tisch mit Ecken und Kanten

Die Islamkonferenz tritt zum vorerst letzten Mal zusammen

Von Christoph Scholz (KNA)

 

Berlin (KNA) Am Donnerstag zieht die Deutsche Islamkonferenz Bilanz. Beim vierten und vorerst letzten Treffen geht es - nach den Zusammenkünften in einem Schloss, einem Wissenschaftszentrum und einem Logenhaus - ins Museum. Die je 15 Vertreter der staatlichen und der muslimischen Seite treffen sich im Hamburger Bahnhof in Berlin. Die Ortswahl ist kein Zeichen schwindender Aktualität.

 

Im Gegenteil: Die Erfolge populistisch-islamkritischer Parteien bei den Europawahlen zeugen von wachsenden Vorbehalten gegenüber dem Islam in Europa. Auch dies mag Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor Augen gehabt haben, als er in

der „tageszeitung“ ein ironisch gemeintes Fazit zog: „Wir ertragen uns.“ Und hinzufügte: „Bevor man sich schlägt, ist das schon ein Erfolg.“ Die Worte erinnern daran, dass es erhebliches Konfliktpotenzial gibt, das etwa im Karikaturenstreit zum Ausbruch kam. Abgemildert zeigt es sich beim Streit um Moscheebauten, beim Mobbing liberal-muslimischer Schüler durch streng religiöse Klassenkameraden oder bei Ermittlungen gegen Islamfunktionäre wegen Missbrauchs von Geldern für fundamentalistische Zwecke.

 

Die rund vier Millionen Muslime stellen inzwischen einen Anteil an der Gesamtbevölkerung von fünf Prozent. Deshalb gibt es keine Alternative zur Integration, so Schäuble. Und diese sei bei allen Schwierigkeiten ein gutes Stück vorangekommen. Dazu wollen die Arbeitsgruppen etwa zur deutschen Gesellschaftsordnung, zum Wertekonsens sowie zu Sicherheitsfragen nun ihre Ergebnisse vorstellen. Empfehlungen zum Zusammenleben und zur Integration von Muslimen liegen bereits vor.

 

Nach Angaben von Ezhar Cezairli, die als liberale Vertreterin der nichtorganisierten Muslime zur Konferenz gehört, wollen die 15 Islam-Vertreter zudem eine eigene Stellungnahme abgeben, die über diese Empfehlungen hinausgeht. Es reiche nicht aus, sich nur an die Gesetze zu halten, sagte Cezairli der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). So wollen sich die Muslimvertreter zu Toleranz und Respekt gegenüber Menschen mit anderem Glauben, anderer Weltanschauung oder Lebensgestaltung

verpflichten.

 

Für Cezairli besteht der Erfolg der Konferenz nicht zuletzt darin, dass „die Öffentlichkeit die Muslime als Teil der Gesellschaft angenommen hat“. Zudem sei die Vielfalt des Islam deutlich geworden. Es gebe keinen Alleinvertretungsanspruch bestimmter Verbände. Allerdings seien noch viele Punkte offen, zu denen die Konferenz bislang keine Einigung fand und die wohl an diesem Donnerstag abermals zur Sprache kommen. Dazu gehören die Gestaltung des Religionsunterrichts, die Teilnahme muslimischer Schüler an Klassenfahrten und Sportunterricht oder das Tragen des Schleiers.

 

Dahinter steht letzten Endes die Frage nach dem Verhältnis von Staat und Islam. Langfristiges Ziel ist laut Schäuble „eine gewisse Gleichstellung“ des Islam in Deutschland mit anderen Religionsgemeinschaften. Nach Ansicht der katholischen Fachstelle für den Dialog mit den Muslimen fehlt dem Islam genau dafür jedoch noch die nötige Organisationsform.

 

Auch der größte muslimische Dachverband in Deutschland, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religionen (Ditib) käme einstweilen nicht infrage, erklärte unlängst der Leiter des „Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationszentrums“ (Cibedo), Peter Hünseler. Ditib sei ein Ableger der staatlichen Religionsbehörde in der Türkei. „Und ein staatliches Ministerium kann einfach keine Religionsgemeinschaft sein“, so Hünseler. Vor diesem Hintergrund erscheint verständlich, warum Schäuble gleich zu Beginn der Treffen von einem langwierigen und schwierigen Prozess sprach. Die Islamvertreter wollen am Donnerstag für eine Fortführung der Dialogrunde votieren. Zu vermuten ist deshalb, dass Schäubles Runder Tisch mit den Muslimen nach der Septemberwahl eine Fortsetzung finden wird. (KNA - ktkqmn-BD-1127.44PI-1)


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