Prof. Heumanns Kritik am islamischen Religionsunterricht zurückgewiesen

Von Annedore Beelte
(KNA) Oldenburg (KNA) Islamunterricht für alle Schüler, die dies wünschen - auf dieses Ziel einigten sich die Teilnehmer der Islamkonferenz. Doch der Weg dorthin ist weit. Nur drei Lehrstühle für islamische Religionspädagogik gibt es derzeit in Deutschland: in Osnabrück, Münster und Nürnberg-Erlangen. Auf 2.000 Lehrer schätzt Mizrap Polat, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Osnabrück, den künftigen Bedarf. In der Hälfte aller Bundesländer gibt es bereits Modellversuche mit einem Unterricht, der als mehr oder minder neutrale „Islamkunde“ über die Religion informiert. Doch so lange der Islam keine in Deutschland anerkannte Religionsgemeinschaft ist, kann es keine Vereinbarung über einen Religionsunterricht im engeren Sinne geben. Aber ist das nach den wissenschaftlichen Standards, denen Schulunterricht zu genügen hat, überhaupt möglich? Der Oldenburger Religionspädagoge Jürgen Heumann bezweifelt das. Die Schule steht in der Tradition der Aufklärung, argumentiert er. Zum evangelischen und katholischen Religionsunterricht gehöre, sich kritisch mit der Entstehung der Religion auseinanderzusetzen. Auf muslimischer Seite sieht Heumann aber wenig Bereitschaft, Allah selbst zur Diskussion zu stellen. Geschweige denn, „die Entstehung des Koran als ein von Menschen in einer geschichtlichen Situation verfasstes religiöses Dokument zu würdigen - und damit zwischen Legende und historischer Entstehung zu unterscheiden“. Lamya Kaddor, die islamische Religion unterrichtet und bis vor kurzem die vakante Professur an der Universität Münster vertrat, empört eine solche Position. „Die Aufklärung ist für den Islam nicht übertragbar“, sagt sie. Das Ergebnis sei das Gleiche: eine zeitgemäße Religionspraxis und ein friedvolles Miteinander mit anderen Gruppen. Als Muslima zweifele sie aber „nicht daran, dass stimmt, was im Koran steht“.
Auch Aloys Lögering, der als Beauftragter des Bistums Osnabrück die Einführung von islamischem Unterricht an der katholischen Michaelschule in Papenburg begleitet hat, widerspricht Heumann. Zwar hofft auch er auf das Erstarken einer liberalen Theologie, wenn die deutschsprachige islamische Religionspädagogik an Profil gewinnt. „Aber dass die Deutungshoheit über den Islam umstritten ist, heißt nicht, dass das im Grundgesetz garantierte Recht auf Religionsunterricht nicht auch für Muslime gelten muss.“ Verwehre man es den Muslimen, dann stehe es auch für Christen in Frage. Dem von Heumann geforderten integrativen Unterricht, bei dem Christen und Muslime gemeinsam lernen, erteilt Lögering eine Absage. An der Michaelschule gibt es stattdessen ein „Dialogfenster“: Nachdem die Schüler im getrennten Unterricht über Abraham oder Jesus gesprochen haben, erklären sie sich gegenseitig, wie diese Gestalten in ihrer Religion gesehen werden. Würde man aber die konfessionelle „Standortbindung“ des Unterrichts aufgeben, dann müsse man staatliche Eingriffe in den Lehrplan befürchten, so Lögering. Aus Religionsunterricht würde leicht Religionskunde. Ein ähnliches Modell, wie es Heumann vorschwebt, wird in Hamburg derzeit als Auslaufmodell zu den Akten gelegt. Aus dem von der evangelischen Kirche verantworteten Unterricht, der allen Religionen offen steht, sind die Katholiken mit dem Staatsvertrag von 2006 ausgestiegen. Ab dem kommenden Wintersemester sollen aber an der Hamburger Universität katholische Religionslehrer ausgebildet werden. (KNA – 4014)

Weiterführende Links

Zollitsch für islamischen Religionsunterricht
3. Deutsche Islamkonferenz - Ergebnisse und Stimmen

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Schlagworte

islamischer Religionsunterricht; Jürgen Heumann; Kritik; Aloys Lögering
