CIBEDO Leiter Dr. Peter Hünseler im FR Interview

"Wir stehen im Dialog"

Dem Papst ist an Dialog gelegen, meint Peter Hünseler, Leiter der christlich-islamischen Begegnungsstelle der Bischofskonferenz. Das von vielen Muslimen kritisierte Zitat sei missverständlich gewesen. Dennoch könne man dem Papst keine antiislamische Aussage unterstellen.
FR: War das nicht vorhersehbar, die Rede ungeschickt - zumal für ein Kirchenoberhaupt, dem man die Kreuzzüge vorhalten könnte?
Hünseler: Die Rede, insgesamt betrachtet, geht nicht über den Islam, sondern zentriert sich auf die Frage Christentum und Europa. Das islamische Gottesbild wird nur am Rande erwähnt. Man kann dem Papst aus dieser Rede keine antiislamische Aussage unterstellen. Aber es war missverständlich. Und es war auch vorhersehbar, dass ein Zitat aus dem Zusammenhang genommen wird. Deshalb ist es ja umso bedauerlicher, dass es so gekommen ist, weil es ja nicht seine Intention ist.
FR: Der Vatikan ist bereits bemüht, die Äußerungen des Papstes als Zitat klarzustellen. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Hünseler: Was wir etwa aus der Türkei hören, ist ganz dem schlechten Verhältniss der Türkei zu Benedikt XVI. geschuldet. Dessen Äußerung, dass die Türkei nicht zu Europa gehört, hat man dort sehr feindselig aufgefasst. Der bevorstehende Besuch des Papstes in der Türkei wirft auch große Probleme auf - etwa bei den Themen Religionsfreiheit, Minderheiten. Viele in der Türkei wünschen sich, dass der Besuch gar nicht stattfindet und wenn der Religionsminister Bardakoglu davon spricht, dass der Papst sich entschuldigen und seinen Besuch absagen müsse, dann hat die Türkei die Latte so hoch gelegt, dass wir kaum noch da runter kommen.
FR: Was ist jetzt zu tun?
Hünseler: Man sollte sagen, dass es nicht Intention des Papstes war, den Islam zu verletzen. Dass es Unterschiede gibt zwischen Christentum und Islam, die man beim Namen nennen kann, aber das ist für sich ja kein Problem.
FR: Was steht zu befürchten, wenn kein Einlenken gelingt? Könnten extreme Gruppen ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat nutzen, um Konflikte zu schüren?
Hünseler: Man muss wohl Exzesse befürchten wie bei dem Karikaturen-Streit. Dass irgendwelche Leute meinen, das Zitat benutzen zu müssen, um das Feuer zu schüren - obwohl die Dimension diesmal völlig anders ist.
FR: Wie werden ihrer Meinung nach muslimische Gemeinden in Deutschland reagieren? Die Frage des Zusammenlebens ist bei uns ja in allen Lebenslagen sehr zentral?
Hünseler: Alle muslimischen Gemeinden, die sich mit der katholischen Kirche im Dialog befinden, wissen, dass die Sache in der katholischen Kirche sehr ernst genommen wird und dass in keiner Weise die Intention dahinter steht, den Islam zu verunglimpfen.
FR: Welche Auswirkungen erwarten Sie für Ihre Arbeit bei Cibedo, der Arbeitsstelle für christlich-islamische Begegnung?
Hünseler: Es wird sicher nachgefragt, was die Papst-Rede zu bedeuten hat. Wir müssen das dann erklären und deutlich machen, dass der Papst von der ersten Stunde seiner Wahl an immer darauf hingewiesen hat, wie wichtig der Dialog ist. Und er auch in dieser unglücklich verlaufenen Rede eigentlich genau darüber gesprochen hat, wie wir diesen interreligiösen Dialog führen müssen.
FR: Stichwort Karikaturen-Streit. Halten Sie es für geboten, dass führende Kirchenvertreter nun verstärkt den Dialog suchen?
Hünseler: Nicht mehr als bisher. Wir stehen in engem Dialog mit Muslimen und haben auch Strukturen dafür geschaffen. In allen Bistümern gibt es jeweils einen Islam-Referenten, und wir haben teils bis auf Dekanatsebene herunter Beauftragte, die den Dialog mit dem Islam führen. Diese Strukturen stehen und werden jetzt auch greifen.
Interview: Anita Strecker
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Dokument erstellt am 15.09.2006 um 16:36:18 Uhr
Erscheinungsdatum 16.09.2006

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