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  Botschafter Hans Henning Horstmann über das Bemühen um interreligiösen Dialog von Papst Benedikt XVI.

Hans-Henning Horstmann, Deutscher Botschafter beim Heiligen Stuhl

Hans-Henning Horstmann, Deutscher Botschafter beim Heiligen Stuhl

"Die Menschheit ist krank", so die Diagnose des Königs von Saudi-Arabien auf einer großen internationalen Konferenz zum Dialog mit dem Islam, zu der er vor einigen Wochen gemeinsam mit dem König von Spanien nach Madrid eingeladen hatte. Gemeint war die seit Jahren wachsende Gewalt-Anwendung im Namen religiöser Überzeugungen. Die Sorge des saudischen Königs war so stark, dass er im Herbst 2007 sogar nach Rom kam, um mit dem Papst über Religion und Gewalt zu sprechen. Und dieser Meinungsaustausch fand statt, obwohl es zwischen dem Vatikan und Saudi-Arabien keine diplomatischen Beziehungen gibt. Der König hat sich darüber hinweggesetzt, weil einerseits seine Sorge über die Zunahme der Fremdenfeindlichkeit wegen der Anschläge durch muslimische Fanatiker in den großen westlichen Staaten sein aktives Eingreifen dringlich erscheinen ließ, andererseits weil er offenbar zu der Überzeugung gekommen war, dass gerade der Papst auf dieses Problem einen großen Einfluss hat.

 

Die Fortsetzung der saudischen Initiativen war nicht nur die Konferenz in Madrid, sondern auch in der vorigen Woche eine wieder durch den saudischen König angestoßene Debatte auf höchster Ebene in der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Selbst der amerikanische Präsident nahm daran teil. Für die Bundesregierung sprach der Staatsminister im Bundeskanzleramt Gröhe. Für den Heiligen Stuhl hielt Kurienkardinal Tauran eine Rede, in der er die sich seit etwa zwei Jahren intensivierenden Bemühungen des Heiligen Stuhls, insbesondere im Verhältnis zu den Moslems, zusammenfasste. Der Dialog ist also in vollem Gange. Worum geht es?

 

Vor über zehn Jahren beschrieb der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel Huntington den "Zusammenstoß der Zivilisationen" als das nach dem Ende des Ost-West-Konflikts wichtigste weltpolitische Problem. An dieser Analyse gibt es viel Kritik. In der Debatte vor einer Woche in der VN-Generalversammlung war man sich jedenfalls einig, dass alles irgend Mögliche getan werden muss, um den Konflikt der Religionen zu verhindern und ihn dort, wo er bereits besteht, zu beseitigen. Es besteht vor allem auch Einigkeit unter den politisch Verantwortlichen, dass das entscheidende Mittel zu diesem Ziel im Dialog der Religionen besteht.

 

Wir Deutsche spüren diese Dringlichkeit täglich im Dialog mit unseren muslimischen Mitbürgern aus der Türkei, die Franzosen im Dialog mit den Immigranten aus Nordafrika. In Großbritannien sind es die Einwanderer aus Pakistan und Bangla Desh, deren Integration dringlich ist. Das sind nur einige Beispiele aus West-Europa. Aber wenn man an die Probleme im Nahen Osten denkt, in Israel, im Libanon, im Irak und auch in anderen Staaten, dann wird deutlich, dass die Aussöhnung zwischen Christen und Moslems und Moslems und Juden wesentliche Voraussetzung für Frieden ist.

 

Der Heilige Stuhl hat in diesen Bemühungen eine herausragende Position. Der Papst selbst hat - um Missverständnisse nach seiner Regensburger Vorlesung vom September 2006 zu klären - beginnend mit seinem Besuch in der Türkei in einer Reihe von Begegnungen den Dialog mit den Moslems, genauso wie den mit den Juden, vorangetrieben. Er hat dabei deutlich gemacht, dass es nicht lediglich um eine Toleranz geht, die alles versteht und alles verzeiht, sondern um die ehrliche gegenseitige Offenheit bei der Beschreibung der eigenen Position als Voraussetzung für gegenseitige Achtung. Es geht also nicht um die Relativierung der eigenen Überzeugung, sondern zunächst auch um die Erkenntnis der eigenen, christlichen Identität. Denn nur so lassen sich die Unterschiede in Haltung und Kultur überhaupt verstehen, mit dem Ziel, friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.

 

Die seit Jahren laufenden Bemühungen der Bundesregierung im inter-kulturellen Dialog, wie z.B. die Einrichtung eines Moslem-Rates in Deutschland, sind von einer sehr ähnlichen Analyse getragen. So zeigt z.B. die Diskussion über die Voraussetzungen für die Einbürgerung von Immigranten in Deutschland, das wir uns dabei zunächst einmal verdeutlichen müssen, was die deutsche Lebensweise eigentlich ausmacht. Inter-kultureller und inter-religiöser Dialog bedeutet eben nicht nur die Bereitschaft unsererseits, fremde Lebensweisen und Überzeugungen kennen zu lernen und zu achten, sondern auch die Forderung an die Dialog-Partner, sich unserer Grundwerte bewusst zu werden und diese zu respektieren.

 

Der Staat kann nur flankierend helfen, vor allem beim interkulturellen Dialog. Den interreligiösen Dialog im engeren Sinne müssen die Religionsgemeinschaften selbst führen: es geht um ihre Glaubensfragen, in die der moderne, durch Laizität geprägte Staat sich nicht einmischt.

 

So sind die vielfältigen Bemühungen, die Kardinal Tauran insbesondere im Dialog mit dem Islam und Kardinal Kasper im Dialog mit den Juden führen, von ganz wesentlicher Bedeutung. Nur so lässt sich langfristig die im religiösen Fanatismus liegende "Krankheit der Menschheit" heilen. In Deutschland gehen die Bundesregierung und die Religionsgemeinschaften denselben Weg.

 


Auf unserer Hauptseite finden Sie weitere Informationen zu den Themen interreligiöser Dialog und christlich islamischer Dialog.

 
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