Leitlinien für das Gebet bei Treffen von Christen, Juden und Muslimen

IV. Hinweise für die Durchführung von religiösen Begegnungen von Christen, Juden und Muslimen
4. Formen und Elemente
Vom Träger aus gesehen gibt es bei Gebetsbegegnungen zwei Formen, das Team-Modell und das Gastgeber-Modell. Beim Team-Modell laden die beteiligten Religionen gemeinsam ein und gestalten in einer Arbeitsgruppe das Treffen. Beim Gastgeber-Modell lädt eine Religion ein, leitet die Vorbereitung unter Beteiligung der anderen Religionen und organisiert die Durchführung.
Als allgemeine grundsätzliche Regel für die Zusammenkunft von Menschen verschiedener Religionen gilt, dass auf das gemeinsame Beten – sei es von frei verfassten oder sei es von aus der Tradition ausgewählten Texten – verzichtet wird, wie es auch in Assisi gehalten wurde. Es sollte auch darauf verzichtet werden, gemeinsam Lieder zu singen, die von den jeweiligen Glaubensvorstellungen und Gebetstraditionen geprägt sind. Eine weitere Regel ist, dass eine Religion bei solchen Begegnungen keine Texte oder Bräuche anderer Religionen in ihre Beiträge aufnimmt, die nicht gleichzeitig – wie im Fall des Alten Testamentes bei Christen – auch zur eigenen Überlieferung gehören. Wo Christen und Juden in freier Zustimmung eine Begegnung im Gebet vor Gott bejahen, kann ein gemeinsames Beten, z. B. von Psalmen, möglich sein.
Für den Ablauf und Aufbau eines Gebetstreffens gibt es keine verbindliche oder feststehende Form. Es gehört aber in jedem Fall ein Rahmen mit Eröffnung und Abschluss dazu. Die Gestaltung der von den einzelnen Partnern vorgetragenen Teile liegt in deren Verantwortung, muss aber so aufgebaut sein und vorgetragen werden, dass jeder Teilnehmer ihr mit Respekt folgen kann und sich nicht angegriffen fühlt. Das Lob Gottes ist immer unverzichtbares Element, bevor Anliegen und Bitten vorgetragen werden. Das Gebetstreffen kann unter ein bestimmtes Thema gestellt oder einem bestimmten Anliegen wie dem Frieden gewidmet werden.
Aus der katholischen Tradition bietet sich die Tagzeitenliturgie als Modell an. Dazu gehören Lesungen aus den Heiligen Schriften wie auch Gebete aus den gottesdienstlichen Traditionen. Geeignete christliche Gebetstexte sind unter anderem das Vater- unser, das Te Deum, das Benedictus, das Magnificat, Psalmen sowie Lieder und Hymnen.
Gesten und Gebärden, die von allen Partnern nach Absprache akzeptiert worden sind, können einbezogen werden. Zu nennen sind das Entzünden von Kerzen, Formen des Friedensgrußes, das Austeilen von Blumen oder anderen geeigneten Zeichen. Auch das Schweigen ist ein wichtiges und geeignetes Element, das der Sammlung und dem stillen Beten dient, aber auch beim Gedenken von Opfern der Gewalt und bei Bitten in Krisensituationen angebracht ist. Bei musikalischen Beiträgen ist darauf zu achten, dass alle Partner sie annehmen können. Instrumentalmusik eignet sich manchmal besser als Gesang.
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Entnommen aus der Arbeitshilfe Nr.170 (2. Aufl.) des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Leitlinien für das Gebet bei Treffen von Christen, Juden und Muslimen" vom 24. Juni 2008.
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