Leitlinien für das Gebet bei Treffen von Christen, Juden und Muslimen

Teil VI: Anhang
2. Stimmen zum Thema
2.3 Papst Benedikt XVI.
Ansprache anlässlich des XX. Weltjugendtages zur Begegnung mit Vertretern muslimischer Gemeinden am Samstag, 20. August 2005
„Der gläubige Mensch – und wir alle als Christen und als Muslime sind gläubige Menschen – weiß, dass er sich trotz der eigenen Schwäche auf die geistige Kraft des Gebetes verlassen kann.
Gemeinsam müssen wir – Christen und Muslime – uns den zahlreichen Herausforderungen stellen, die unsere Zeit uns aufgibt. Für Apathie und Untätigkeit ist kein Platz, und noch weniger für Parteilichkeit und Sektentum. Wir dürfen der Angst und dem Pessimismus keinen Raum geben. Wir müssen vielmehr Optimismus und Hoffnung pflegen. Der interreligiöse und interkulturelle Dialog zwischen Christen und Muslimen darf nicht auf eine Saisonentscheidung reduziert werden. Tatsächlich ist er eine vitale Notwendigkeit, von der zum großen Teil unsere Zukunft abhängt. Die Jugendlichen aus vielen Teilen der Erde sind hier in Köln als lebendige Zeugen für Solidarität, Brüderlichkeit und Liebe. Ich wünsche Ihnen, verehrte und liebe muslimische Freunde, von ganzem Herzen, dass der barmherzige und mitleidige Gott Sie beschütze, Sie segne und Sie immer erleuchte. Der Gott des Friedens erhebe unsere Herzen, nähre unsere Hoffnung und leite unsere Schritte auf den Straßen der Welt.“
Grußwort beim Besuch in der Synagoge anlässlich des XX. Weltjugendtages am Freitag, 19. August 2005
„Deshalb möchte ich ausdrücklich ermutigen zu einem aufrichtigen und vertrauensvollen Dialog zwischen Juden und Christen. Nur so wird es möglich sein, zu einer beiderseits akzeptierten Interpretation noch strittiger historischer Fragen zu gelangen und vor allem Fortschritte in der theologischen Einschätzung der Beziehung zwischen Judentum und Christentum zu machen. Ehrlicherweise kann es in diesem Dialog nicht darum gehen, die bestehenden Unterschiede zu übergehen oder zu verharmlosen: Auch und gerade in dem, was uns aufgrund unserer tiefsten Glaubensüberzeugung voneinander unterscheidet, müssen wir uns gegenseitig respektieren und lieben.“
Ansprache an die Gründungsmitglieder der Stiftung für interreligiöse und interkulturelle Forschung und Dialog am Donnerstag, 1. Februar 2007
„Schon mehrfach habe ich in der Folge der Konzilserklärung Nostra aetate und im Sinne meines lieben Vorgängers Papst Johannes Pauls II. darauf hingewiesen, dass wir – Juden, Christen und Muslime – aufgerufen sind, die Bande, die uns einen, anzuerkennen und zu entwickeln. Darin liegt der Grundgedanke, der uns zur Gründung dieser Stiftung geführt hat; ihre Zielsetzung besteht darin, ‚nach der wesentlichsten und authentischsten Botschaft [zu suchen], die die drei monotheistischen Religionen, also Judentum, Christentum und Islam, an die Welt des 21. Jahrhunderts richten können‘, um dem interreligiösen und interkulturellen Dialog einen neuen Impuls zu geben durch die gemeinsame Forschung und durch die Herausstellung und Verbreitung dessen, was in unserem jeweiligen geistigen Erbe zur Festigung der brüderlichen Beziehungen zwischen unseren Glaubensgemeinschaften beiträgt …
Unsere jeweiligen religiösen Traditionen betonen alle den heiligen Charakter des Lebens und die Würde des Menschen. Wir glauben, dass Gott unsere Vorhaben segnen wird, wenn sie zum Wohl aller seiner Kinder beitragen und es ihnen ermöglichen, einander zu achten in einer weltumspannenden Brüderlichkeit. Zusammen mit allen Menschen guten Willens sehnen wir uns nach Frieden. Daher wiederhole ich mit Nachdruck: interkulturelle und interreligiöse Forschung und Dialog sind keine Option, sondern eine lebenswichtige Notwendigkeit unserer Zeit.“
Schreiben an Msgr. Domenico Sorrentino anlässlich des 20. Jahrestages des „interreligiösen Treffens zum Gebet für den Frieden in Assisi“
„Gerne nehme ich die Gelegenheit wahr, um die Vertreter der anderen Religionen zu grüßen, die an der einen oder der anderen Gedenkfeier in Assisi teilnehmen. So wie wir Christen wissen auch sie, dass man im Gebet Gott auf ganz besondere Weise erfahren und aus dem Gebet wirkungsvolle Anregungen schöpfen kann, um sich der Sache des Friedens zu widmen. Dennoch müssen auch hier unangebrachte Verwechslungen vermieden werden. Daher muss, auch wenn man zusammenkommt, um für den Frieden zu beten, das Gebet in unterschiedlichen, den verschiedenen Religionen eigenen Weisen stattfinden. Dies ist die Entscheidung, die 1986 getroffen wurde, und diese Entscheidung ist auch heute noch gültig. Übereinstimmung unter Verschiedenartigen darf nicht den Eindruck erwecken, dass man jenem Relativismus Raum gibt, der den Sinn der Wahrheit und die Möglichkeit, zu ihr zu gelangen, leugnet.“
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Entnommen aus der Arbeitshilfe Nr.170 (2. Aufl.) des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Leitlinien für das Gebet bei Treffen von Christen, Juden und Muslimen" vom 24. Juni 2008.
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