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Interreligiöses Gebet
Geleitwort
I. Einleitung
II. Zur Situation
III. Theologische Grundlagen
IV. Hinweise für die Durchführung von religiösen Begegnungen von Christen, Juden und Muslimen
V. Schlusswort
VI. ANHANG
1. Der Weltgebetstag der Religionen für den Frieden 1986 von Assisi als Modell religiöser Begegnungen
2. Stimmen zum Thema
3. Eine Auswahl christlicher Gebete
4. Quellen
5. Literatur
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  Leitlinien für das Gebet bei Treffen von Christen, Juden und Muslimen

Teil VI: Anhang

2. Stimmen zum Thema

2.2 Papst Johannes Paul II.

 

Ansprache während der Stunde der Erinnerung in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem am 23. März 2000, in: Jubiläumspilgerreise zu den Heiligen Stätten (VAS 145), 52 f.

 

„Juden und Christen teilen ein unermessliches geistliches Erbe, das aus der Selbstoffenbarung Gottes hervorgegangen ist ... Als Bischof von Rom und Nachfolger des Apostels Petrus versichere ich dem jüdischen Volk, dass die katholische Kirche – vom Gebot des Evangeliums zur Wahrheit und Liebe und nicht von politischen Überlegungen motiviert – zutiefst betrübt ist über den Hass, die Taten von Verfolgungen und die antisemitischen Ausschreitungen von Christen gegen die Juden, zu welcher Zeit und an welchem Ort auch immer. Die Kirche verwirft jede Form von Rassismus als ein Leugnen des Abbildes des Schöpfers, das jedem Menschenwesen innewohnt (vgl. Gen 1,26).

 

An diesem Ort des feierlichen Erinnerns (Yad Vashem, Jerusalem) bete ich inständig dafür, dass unsere Trauer um die Tragödie, die das jüdische Volk im zwanzigsten Jahrhundert erlitten hat, zu einer neuen Beziehung zwischen Christen und Juden führen möge. Lasst uns eine neue Zukunft aufbauen, in der es keine antijüdischen Gefühle seitens der Christen und keine antichristlichen Empfindungen seitens der Juden mehr geben wird, sondern vielmehr die gegenseitige Achtung, wie sie jenen zukommt, die den einen Schöpfer und Herrn anbeten und auf Abraham als unseren gemeinsamen Vater im Glauben schauen.“

 

 

Anerkennung des Schöpfers und des Herrn der Geschichte. Ansprache bei der Interreligiösen Begegnung in Jerusalem am 23. März 2000, in: Jubiläumspilgerreise zu den Heiligen Stätten (VAS 145), 54–56

 

„Wir alle wissen um die Missverständnisse und Konflikte der Vergangenheit, die auch heute noch schwer auf den Beziehungen zwischen Juden, Christen und Muslimen lasten. Wir müssen alles tun, was in unseren Kräften liegt, damit sich das Bewusstsein der vergangenen Kränkungen und Sünden verwandelt in den festen Entschluss zum Aufbau einer neuen Zukunft, in der es zwischen uns nur noch respektvolle und fruchtbare Zusammenarbeit geben wird.

 

Die katholische Kirche möchte einen aufrichtigen und fruchtbringenden interreligiösen Dialog mit den Mitgliedern der jüdischen Glaubensgemeinschaft und den Anhängern des Islam fortführen. Ein solcher Dialog ist nicht etwa ein Versuch, den anderen unsere Meinungen aufzuzwingen. Was er von uns allen fordert, ist, dass wir an unserem eigenen Glauben festhalten, dabei aber respektvoll einander zuhören, alles Gute und Heilige in den Lehren der anderen zu erkennen suchen und gemeinsam alle Initiativen zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses und des Friedens unterstützen.“

 

 

Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte an die Bischöfe, den Klerus, die Ordensleute und an die Gläubigen zum Abschluss des Großen Jubiläums des Jahres 2000 vom 6. Januar 2001 (VAS 150), 50–52

 

„54. Ein neues Jahrhundert, ein neues Jahrtausend öffnen sich im Lichte Christi. Doch nicht alle sehen dieses Licht. Wir haben die wunderbare und anspruchsvolle Aufgabe, sein Widerschein zu sein. Es ist das den Kirchenvätern in ihrer kontemplativen Betrachtung so teure ‚mysterium lunae [Geheimnis des Mondes]‘; sie verwiesen mit diesem Bild auf die Abhängigkeit der Kirche von Christus, der Sonne, dessen Licht sie widerspiegelt. Das war eine Form, um auszudrücken, was Christus selbst sagt, wenn er sich als ‚Licht der Welt‘ vorstellt (Joh 8,12) und zugleich seine Jünger auffordert, ‚das Licht der Welt‘ zu sein (vgl. Mt 5,14).

 

Das ist eine Aufgabe, die uns bangen lässt, wenn wir auf die Schwachheit blicken, die uns so oft glanzlos macht und Schatten auf uns wirft. Doch die Aufgabe ist lösbar, wenn wir uns dem Licht Christi aussetzen und es fertig bringen, uns der Gnade zu öffnen, die uns zu neuen Menschen macht.

 

55. In dieser Sichtweise steht auch die große Herausforderung des interreligiösen Dialogs, für den wir uns auch noch im neuen Jahrhundert auf der vom Zweiten Vatikanischen Konzil angegebenen Linie einsetzen werden. In den Jahren der Vorbereitung auf das Große Jubiläum hat die Kirche auch durch Begegnungen von bemerkenswerter symbolischer Bedeutung versucht, ein Verhältnis der Öffnung und des Dialogs zu Vertretern anderer Religionen aufzubauen. Der Dialog muss weitergehen. In der Situation eines immer ausgeprägteren kulturellen und religiösen Pluralismus, wie man in der Gesellschaft des neuen Jahrtausends voraussehen kann, ist dieser Dialog auch wichtig, um eine sichere Voraussetzung für den Frieden zu schaffen und das düstere Gespenst der Religionskriege zu vertreiben, die viele Epochen der Menschheitsgeschichte mit Blut überzogen haben. Der Name des einzigen Gottes muss immer mehr zu dem werden, was er ist, ein Name des Friedens und ein Gebot des Friedens.

 

56. Der Dialog kann jedoch nicht auf dem religiösen Indifferentismus gegründet sein. So haben wir Christen die Pflicht, ihn so zu entwickeln, dass wir das volle Zeugnis der Hoffnung, die uns erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15), vortragen. Wir brauchen uns nicht zu fürchten, dass das eine Beleidigung für die Identität des anderen sein könnte, was frohe Verkündigung eines Geschenkes ist: eines Geschenkes, das für alle bestimmt ist und das allen mit größter Achtung der Freiheit eines jeden angeboten werden soll. Es ist das Geschenk der Verkündigung des Gottes, der Liebe ist und ‚die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab‘ (Joh 3,16). Das alles kann, wie es auch kürzlich von der Erklärung ‚Dominus Iesus‘ hervorgehoben wurde, nicht Gegenstand einer Art von dialogischer Verhandlung sein, so als ginge es für uns um eine bloße Meinung: Die Verkündigung dieses Geschenkes ist jedoch für uns eine Gnade, die uns mit Freude erfüllt, und eine Nachricht, die wir zu verkünden verpflichtet sind.

 

Deshalb kann sich die Kirche der missionarischen Tätigkeit gegenüber den Völkern nicht entziehen. So gehört zu den vordringlichsten Aufgaben der ‚missio ad gentes‘ [Sendung zu den Völkern] die Verkündigung, dass die Menschen die Fülle des religiösen Lebens in Christus finden, der ‚Weg, Wahrheit und Leben‘ ist (Joh 14,6). Der interreligiöse Dialog ‚kann nicht einfach die Verkündigung ersetzen, sondern bleibt stets auf die Verkündigung hin ausgerichtet‘. Die missionarische Pflicht hindert uns jedoch nicht daran, zum Dialog überzugehen und mit innerer Bereitschaft zuzuhören. Denn wir wissen, dass angesichts des an Dimensionen und möglichen Folgen für das Leben und die Geschichte des Menschen unendlich reichen Gnadengeheimnisses die Kirche selbst bei dessen Ergründung niemals an ein Ende kommen wird, obwohl sie auf die Hilfe des Beistandes, des Geistes der Wahrheit (vgl. Joh 14,17) zählen kann, dem es ja zukommt, sie ‚in die ganze Wahrheit‘ (Joh 16,13) einzuführen.

 

Dieses Prinzip liegt nicht nur der unerschöpflichen theologischen Vertiefung der christlichen Wahrheit zugrunde, sondern auch des christlichen Dialogs mit den Philosophien, den Kulturen und Religionen. Denn nicht selten erweckt der Geist Gottes, der ‚weht, wo er will‘ (Joh 3,8), in der allgemeinen menschlichen Erfahrung trotz ihrer vielen Widersprüchlichkeiten Zeichen seiner Gegenwart, die selbst den Jüngern Christi helfen, die Botschaft, deren Überbringer sie sind, vollkommener zu verstehen. War das Zweite Vatikanische Konzil nicht vielleicht mit dieser demütigen und vertrauensvollen Öffnung darum bemüht, die ‚Zeichen der Zeit‘ zu deuten? Auch wenn sie eine sorgfältige und wachsame Unterscheidung vornimmt, um die ‚wahren Zeichen der Gegenwart oder der Absicht Gottes‘ zu erfassen, erkennt die Kirche nicht nur, dass sie etwas gegeben hat, sondern wie viel sie auch ‚der Geschichte und Entwicklung der Menschheit verdankt‘. Diese Haltung der Öffnung und zugleich sorgfältiger Unterscheidung hat das Konzil auch gegenüber den anderen Religionen eingeführt. Wir müssen seiner Lehre und Spur mit großer Treue folgen.“

 

 

Ansprache an die Vertreter der Weltreligionen in Assisi am 24. Januar 2002

 

„7. Brüder und Schwestern, die ihr aus so vielen Teilen der Welt hierher gekommen seid! In Kürze begeben wir uns an die vorbereiteten Plätze, um von Gott das Geschenk des Friedens für die ganze Menschheit zu erflehen. Bitten wir, dass es uns gegeben sei, den Weg des Friedens, der rechten Beziehungen zu Gott und zwischen uns zu erkennen. Bitten wir Gott, unsere Herzen zu öffnen für die Wahrheit über Ihn und über den Menschen. Das Ziel ist eines, und das Anliegen ist das gleiche, aber wir werden in unterschiedlichen Formen beten und die religiösen Traditionen der anderen achten. Auch das ist im Grunde genommen eine Botschaft: Wir wollen der Welt zeigen, dass der aufrichtige Gebetsimpuls nicht zur Gegenüberstellung und noch weniger zur Verachtung des andern antreibt, sondern zum konstruktiven Dialog, in dem jeder, ohne in irgendeiner Weise dem Relativismus oder Synkretismus nachzugeben, sich noch stärker der Pflicht der Zeugenschaft und Verkündigung bewusst wird.

 

Es ist Zeit, diese Versuchungen zur Anfeindung, an denen es auch in der Religionsgeschichte der Menschheit nicht gefehlt hat, entschlossen zu überwinden. Wenn sie sich auf die Religion berufen, zeigen sie in Wirklichkeit eine sehr unreife Seite von ihr. Denn das ehrliche religiöse Empfinden leitet dazu an, in irgendeiner Weise das Geheimnis Gottes zu spüren, jenes Ursprungs der Güte, und das ist eine Quelle der Achtung und des Verstehens zwischen den Völkern: genau darin liegt das wichtigste Gegenmittel gegen Gewalt und Konflikte.“

 

 

 

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Entnommen aus der Arbeitshilfe Nr.170 (2. Aufl.) des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz "Leitlinien für das Gebet bei Treffen von Christen, Juden und Muslimen" vom 24. Juni 2008. 

 

 

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