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  Islamwissenschaftler: Bibel und Koran besser verstehen lernen

Münster (KNA) Der Jesuit und Frankfurter Islamwissenschaftler Christian Troll hat Christen und Muslime aufgerufen, ihren schriftlichen Überlieferungen gegenseitig mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Bibel und Koran stellten für die Gläubigen „einen maßgeblichen Schwerpunkt“ dar, sagte er am Mittwoch in Münster. Um im Dialog Verwirrung und nutzlose Kritik zu vermeiden, müssten Christen und Muslime die tiefgreifenden Unterschiede im Verständnis ihrer heiligen Schriften berücksichtigen. Troll äußerte sich bei der Jahrestagung des Katholischen Medienverbandes (KM.).

 

Nach den Worten Trolls verstehen Muslime den Koran als endgültige Willensäußerung Gottes und damit in erster Linie als Anleitung. Nach dieser Vorstellung sei das Wort Gottes in einer Art Diktat zum Propheten Muhammad gekommen. Dagegen begreifen Christen nach den Worten des Wissenschaftlers Altes und Neues Testament als Wort Gottes und zugleich als Wort der menschlichen Verfasser. Muslime reagierten oft verwirrt auf die Bibel, wenn sie feststellten, dass es sich um eine Sammlung verschiedener Schriften aus unterschiedlichen Epochen und Kulturen handele. Oft glaubten sie, Juden und Christen hätten die Bibel entstellt, indem neue Texte erfunden oder einzelne Wörter ausgetauscht worden seien. Dieser Vorwurf der „Korruption“ der biblischen Texte sei unhaltbar, betonte der Jesuit. Muslime sollten sich nach seiner Auffassung fragen, warum der historischkritische Zugang zur Bibel eine sinnvolle Deutung der christlichen Überlieferung für den modernen Menschen fördere. Christen müssten sich damit auseinandersetzen, warum der Koran „bis heute

beträchtliche geistliche Energie auszuströmen vermag“.

 

Der Professor für Islamische Religionslehre, Harry Harun Behr, wandte sich dagegen, den Koran „wie ein Rezeptbuch“ zu verstehen. Der an der Universität Erlangen-Nürnberg tätige Forscher plädierte dafür, die kulturhistorische Genese des Korans zu verstehen und angstfrei unter die Textoberfläche zu schauen. Entgegen der Ansicht konservativer muslimischer Theologen werde der Glaube damit nicht demontiert, so der vom Katholizismus zum Islam konvertierte Wissenschaftler. Vielmehr stelle dieses Vorgehen einen Zugewinn für den Glauben dar. So sei für nichtmuslimische Textwissenschaftler, die sich derzeit mit dem Koran befassen, die Schrift ohne einen charismatischen Sprecher undenkbar. Behr plädierte für einen muslimischen Religionsunterricht, der es den Teilnehmern gestatte, selber die Nähe und Distanz zum Islam zu gestalten. Der einzelne müsse sich selbst darüber klar werden, was er mit dem Islam zu tun habe. Für diese Sichtweise werde er scharf von muslimischen Verbänden attackiert. Dabei handele es sich um einen Gedanken, der in alten philosophischen Denkschulen des Islam gründe. (KNA - ktkqmo-BD-1444.10TO-1)


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