Studien sehen Fortschritte bei der Eingliederung von Zuwanderern

KNA 27.06.2012
Integrationsland Deutschland
Studien sehen Fortschritte bei der Eingliederung von Zuwanderern
Von Christoph Scholz (KNA)
Berlin (KNA) Über Jahre stritten sich Politiker, ob Deutschland nun ein Einwanderungsland sei oder nicht. Zumindest erweist es sich inzwischen als Integrationsland. Schaut man in den am Mittwoch in Berlin vorgestellten Ausländerbericht der Bundesregierung, so zeigen die von der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), vorangetriebenen Initiativen zur besseren Eingliederung der Zuwanderer inzwischen deutliche Erfolge. Die Migranten holen bei der Bildung deutlich auf: Mehr Kita-Besuche, mehr Abiturienten und weniger Schulabbrecher. Viele Probleme bleiben - allen voran, beim Einstieg ins Berufsleben - und neue Herausforderungen kommen hinzu. Aber gleich zwei weitere Studien bestätigten die Grundlinien der deutschen Integrationspolitik, die auch andere Länder mit großem Interesse verfolgen.
Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bescheinigte Deutschland eine positive Entwicklung bei der Beschäftigungsquote unter Zuwanderern - im Gegensatz zu anderen OECD-Ländern, bei denen der Anteil der Arbeitslosen unter den Migranten eher stieg. Und das, obgleich Deutschland in den vergangenen Jahren den stärksten Anstieg an Zuwanderern unter den OECD-Ländern verzeichnete. Die Zahl derer, die dauerhaft in Deutschland bleiben wollen, wuchs 2010 um zehn Prozent. Insgesamt kamen in den vergangenen zehn Jahren 500.000 hochqualifizierte Migranten nach Deutschland.
Nach der Vergleichsstudie „Immigrant Citizens Survey“ (ICS) finden Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten in Deutschland meist eine Anstellung, die ihrer Qualifikation entspricht. Allerdings ist die Arbeitslosigkeit unter Migranten in Deutschland weiterhin doppelt so hoch wie bei der übrigen Bevölk-rung. Ein Grund hierfür liegt in der mangelnden Anerkennung von Abschlüssen, meinte Gunilla Finke vom Sachverständigenrat Deutscher Stiftungen, die den ICS für Deutschland betreute.
Hier hofft Böhmer auf das neue Gesetz zur Anerkennung von Berufsabschlüssen. Allerdings müssen hier noch die Bundesländer nachziehen. Das Kernproblem sieht Böhmer derzeit beim Einstieg in die Berufsausbildung: Unter den Migranten im Alter von 25 bis 35 Jahren hat jeder Dritte keinen berufli-chen oder Hochschulabschluss. Die positive Entwicklung bei der Kita- und schulischen Bildung zeigt allerdings, dass die Migranten inzwischen aufholen, auch wenn weiterhin eine deutliche Lücke klafft: Während jeder dritte Deutsche das Abi macht, schafft es unter den Migranten nicht einmal jeder sechste.
Überraschend positiv bewerteten die Migranten bei der ICS-Befragung die von Böhmer initiierten Integrationskurse und Deutschtests. Beide Maßnahmen wurden in der Öffentlichkeit immer wieder als Hürde kritisiert. Dennoch bewerteten zwei Drittel der Befragten sie als „sehr hilfreich“ ein weiteres Drittel als „etwas hilfreich“. Und bei den Sprachtests fanden rund 98 Prozent, dass sie zuwandernden Familienmitgliedern helfen, sich besser zurechtzufinden.
Böhmer wirbt für die Einbürgerung, zumal sie die Möglichkeit der politischen Teilhabe ermögliche, und fordert, das Verfahren schneller und einfacher zu gestalten. Dem Ruf nach einer Reform des Staatsangehörigkeitsrechts will sie sich aber ebenso wenig anschließen wie die Union. Allerdings sehen die meisten Ausländer bei der ICS-Befragung gerade im Verlust der eigenen Staatsbürger-schaft die größte Hürde für eine Einbürgerung.
Nach den Erfolgen der „nachholenden Integration“ fordert Böhmer nun einen „Paradigmenwechsel“ zur „vorausschauenden Integrationspolitik“. Dies wird vor allem Polen, Rumänen, Ungarn und Bulgaren betreffen, denn aus diesen EU-Staaten kommt laut OECD die überwiegende Zahl der Neuzuwanderer. Ihnen will Böhmer einen gesetzlichen Anspruch auf einen Integrationskurs eröffnen. Gleich mehrfach mahnte sie, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.
(KNA - lmkqmr-bd-1604.20je-1)

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